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Meine Urgroßeltern, Hausbesitzer und Postagent Herrmann Theodor Stein und dessen Ehefrau, Louise Karoline geb. Bunzel, lebten in Ober Gröditz am Fuße des Gröditzberges in Schlesien. Sie besaßen dort ein kleines Häuschen. Ihr Einkommen verdankte die Familie einer Postagentur und einer kleinen Landwirtschaft. Später nahm man in das ausgebaute Haus auch Sommergäste auf.
Louise Stein, geb. Bunzel, wurde am 17. November 1860 geboren. Das älteste Foto, das es von ihr gibt, zeigt eine junge Frau in einer dunklen und reich bestickten Bluse, die mit einer Brosche am Kragen hochverschlossen ist. Ihre langen dunklen Haare sind in der Mitte gescheitelt und streng nach hinten gebunden. Sie schaut den Betrachter nicht an. Ihr Blick und ihre schmalen Lippen zeigen, dass sie eine willensstarke selbstbewusste Frau war. Sie ist meine Urgroßmutter, die Mutter von Gertrud Moch geb. Stein, meiner Großmutter.

An ihrem 80. Geburtstag im Jahr 1940 wurde ein Foto der ganzen großen Familie aufgenommen, das die Zeiten überdauert hat. Auf dem Bild sitzt die Jubilarin in der Mitte. Um sie herum: Schwester Minna, ihr Sohn Wilhelm, ihre drei Töchter und die Schwiegersöhne. In den oberen Reihen sind auch einige ihrer Enkelinnen zu sehen. Mich interessieren natürlich besonders Konstantin (oben rechts) und Gertrud Moch (unten links). Ihre Tochter, meine Mutter, versteckt sich hinter der rechts vorn stehenden Elisabeth. Sie war die Jüngste der Großfamilie und fühlte sich unter all den Älteren offensichtlich genauso unwohl wie junge Leute heute an einem 80. Geburtstag.
Rechts ist eine kleine Ecke des Hauses zu sehen, in dem die Steins und ihre Kinder ihr Leben verbracht haben. Auf einem anderen Foto ist die Hausnummer zu sehen. Im Jahr 2011 fand ich das Häuschen so vor, wie es zu Zeiten meiner Urgroßmutter war. Darüber habe ich eine Extraseite gemacht. |
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Louise Stein brachte sechs Kinder zur Welt und zog sie groß: Emma, Elisabeth, Gertrud, Fritz, Ludwig und Wilhelm.
Dafür erhielt sie bei der ersten Verleihung dieser NS-Auszeichnung im Jahr 1939 - mit 79 Jahren - das
Mutterkreuz in Silber. Wer wollte es ihr verübeln, wenn die ganze Familie stolz auf die Leistungen ihrer "Muttel" war und die Auszeichnung für wohlverdient hielt?! Zwei Söhne verlor Louise Stein in den beiden Weltkriegen. Die Töchter blieben ihrer Mutter zeitlebens eng verbunden.
Auf dem Foto rechts: Louise Stein, ihre beiden Enkelinnen Charlotte und Ursula und ihre Tochter Gertrud. Auf der Rückseite des Fotos hat meine Großmutter vermerkt: Zur Erinnerung an Muttels Besuch im September 1940. |

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Auf wundersame Weise ist eine Postkarte meiner Urgroßmutter erhalten geblieben. Louise Stein bedankt sich zehn Tage nach ihrem 81. Geburtstag für die Glückwünsche und hofft, das nächste Jahr möge den langersehnten Frieden bringen:

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"Gröditzberg, den 27.11.1941
Liebe Hilde u. Gernot!
Vielen Dank sage ich Euch für die guten Wünsche zu meinem Geburtstag. Du hattest mir schon zum 17. Okt. gratuliert, immer noch der 17. November. Ja, ja du liebe Hilde, schon 81. Gottlob geht es mir; helfe Emma noch. Haben jetzt Mutter und Kind bei uns. Emma ist bei der NSV beschäftigt. Wo steckt dein lieber Walter? Grüße Ihn bitte von uns. Nächstes Jahr machst du mit Gernot eine Reise nach Schles.
Es war doch immer so schön bei Steins. Nur gut, daß es dem lieben Herbert wieder besser geht. Schreibe ihm. Nun möchte uns 1942 den langersehnten Frieden bringen. Seid herzlich gegrüßt u. einen Guten von Eurer alten Tante Luise, Onkel Karl und Tante Emma." |

Auf die Rückseite schrieb Gertrud Moch: Der letzte Sonntag im Juni 1942 mit unserer lieben Muttel. Louises Wunsch, das Jahr 1942 möge den langersehnten Frieden bringen, erfüllte sich anders, als sie ihn gemeint hatte.
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"Ein treues Mutterherz hat aufgehört zu schlagen. Nach einem arbeitsamen Leben entschlief sanft heute nacht unsere liebe gute Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Oma u. Uroma, Frau Luise Stein, geb. Bunzel, Inhaberin des silbernen Mutterkreuzes im 82. Lebensjahre. Ihr ganzes Leben war erfüllt von selbstloser Liebe. Im Namen der Trauernden Karl Marklowsky und Frau Emma geb. Stein sowie 9 Enkel und 13 Urenkel. Gröditzberg, den 16. Juni 1942 - Beerdigung Freitag nachmittag"
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"Danksagung! Statt Karten! Für die vielen Beweise aufrichtiger und mitfühlender Teilnahme, die uns durch Wort, Schrift und die herrlichen Kranzspenden anläßlich des Heimgangs unserer lieben Mutter Luise Stein entgegengebracht wurden, sprechen wir allen unseren tiefempfundenen Dank aus. Lüben, den 22. Juni 1942. Im Namen aller Hinterbliebenen Familie Moch" |
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