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Die Heil- und Pflegeanstalt Lüben bildete in einem herrlichen Parkgelände eine kleine Stadt mit 40 Häusern für sich. Sie war 1905 als Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Lüben erbaut worden. (Mehr über die Entstehung hier.) 1600 Kranke konnten zur Behandlung aufgenommen werden. Die Betreuung der Patienten oblag acht Ärzten und ca. 130 Pflegerinnen und Pflegern, die ihren Dienst schichtweise versahen.
Die Verwaltung, am Eingang der Anstalt gelegen, verfügte über 25 Beamte und Angestellte. Hier liefen die Fäden zur Betreuung der Patienten zusammen, seien es Aufnahme, Beurlaubung, Entlassung, Verlegung in eine andere Anstalt oder Todesfälle*. Die gute ärztliche und wirtschaftliche Betreuung der Patienten der Anstalt Lüben war weit über Schlesiens Grenzen hinaus bekannt. Lüben führte als eine der ersten psychiatrischen Anstalten erfolgreich die Arbeitstherapie ein. Für die Versorgung der Patienten standen eine Koch- und eine Waschküche, eine eigene Fleischerei und eine Bäckerei, ein Maschinenhaus, das die Licht- und Wasserversorgung versah, zur Verfügung. Die anstaltseigene Gärtnerei hatte eine Gesamtanbaufläche von etwa 15 ha (einschl. der Anlagen und des Anstaltsfriedhofes). Der Viehbestand der anstalts-eigenen Landwirtschaft belief sich auf 60 Rinder, 120 Schweine, 6 Pferde und 4 Ochsen. In der Bäckerei wurden täglich über 900 Brote gebacken, während in der Fleischerei wöchentlich 2 Rinder, 9 Kälber und 4 Schweine geschlachtet wurden.
am Gottesdienst in der kleinen Anstaltskirche teilzunehmen.
Während des 2. Weltkrieges wurde die Anstalt zum Lazarett erweitert. Dafür wurden vier Krankenblocks für etwa 400 verwundete Soldaten zur Verfügung gestellt. Die Betreuung dieser Patienten oblag dem Ärzte- und Sanitätspersonal der Wehrmacht. Im Januar 1945 wurde die rechtzeitige Evakuierung der Insassen und des durch den Militärdienst stark verminderten Personals der Heilanstalt versäumt. Die Anstalt endete im Chaos der Kriegsereignisse. (Unter Verwendung von Informationen von Heinz Lux in Lübener Heimatblatt, 7/1954) * In der NS-Zeit wurden massenhaft Patienten aus "Heil- und Pflegeanstalten" (Psychiatrien) in Sammeltransporten in Tötungsanstalten "verlegt". Sonja Schröter weist z. B. in "Psychiatrie in Waldheim/Sachsen (1716-1946)" anhand von Dokumenten nach, dass am 18.7.1941 aus der Heil-und Pflegeanstalt Lüben 54 Patienten in die Zwischenanstalt Waldheim verbracht wurden und am 30.7.1941 weitere 48 Patienten. Sie starben in der Tötungsanstalt Sonnenstein oder durch Arbeitszwang, Unterernährung und überdosierte Medikamentengaben in "Heil"-Anstalten! Für Interessierte gibt es eine Fülle von Material, das die Verbrechen der NS-Zeit an physisch oder psychisch Behinderten dokumentiert. Ein Teil der Patientenakten aus der Heil- und Pflegeanstalt Lüben befindet sich im Bundesarchiv oder in polnischen Archiven und kann dort für wissenschaftliche Zwecke eingesehen werden. Eine öffentlich zugängliche Information über die Rolle der Lübener Heilanstalt bei der Ermordung psychisch kranker Patienten findet sich auf der Webseite des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. Im Gegensatz dazu haben die vielen Mitarbeiter der Lübener Heilanstalt nach dem Krieg niemals im "Lübener Heimatblatt" öffentlich Stellung gegen die Ermordung von Patienten genommen, sondern sie bis zuletzt verschwiegen. Der oben verwendete Artikel aus dem Jahr 1954 war einer der wenigen zum Thema Heilanstalt in der Heimatzeitung. In keinem Artikel wurde auf die inhumanen Praktiken der Psychiatrie in der NS-Zeit eingegangen.
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