Gemeinde Mittel- und Nieder Gläsersdorf mit Ortsteilen Hummel, Johannhof, Karlsgnaden, Krickicht, Sandhäuser, Gut Radeck
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Ortsteil Hummel und Gut Johannhof der Gemeinde Gläsersdorf














Gläsersdorf auf der Kreiskarte Lüben 1935

Nieder- und Mittel Gläsersdorf bildeten 1939 die Gemeinde Gläsersdorf, während Ober Gläsersdorf verwaltungsmäßig selbstständig war.


Gläsersdorf in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Gläsersdorf [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 15 km, Post Lüben-Land, mit Hummel, Karlsgnaden, Forsthaus Hummel [wird weiter unten Oberau zugeordnet], Sandhäuser, Krickicht, Johannhof und Radeck, 906 Einwohner, 220 Haushalte, Flurgröße 2268 ha, 5 Gemeinderäte, Bürgermeister Wilhelm Sturm, Fernsprecher Heinzenburg 13, Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Regierungsbezirk, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Standesamt, Schulgemeinde Gläsersdorf / Gendarmeriebezirk Ober Gläsersdorf / nächster Personenen-, Güterbahnhof Gläsersdorf 4 km / nächste Kraftposthaltestelle Nieder Gläsersdorf 2 km
Vorhanden: Elektrisches Stromverteilungsnetz, 2 Volksschulen, 1 Rittergut, 1 Vorwerk

Ortsteil Hummel in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Karlsgnaden in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Karlsgnaden [1939]
Kolonie, Gemeinde Gläsersdorf, Kreis Lüben, Post Lüben-Land / 23 Einwohner, 6 Haushalte, nächster Personen-, Güterbahnhof Kleinbahn Niedergläsersdorf 4 km / nächste Kraftposthaltestelle 3 km

Krickicht in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Krickicht [1939]
Kolonie, Gemeinde Gläsersdorf, Kreis Lüben, Post Lüben-Land / 14 Einwohner, 3 Haushalte, nächster Personen-, Güterbahnhof Ober-Gläsersdorf, Kleinbahn, 4 km / nächste Kraftposthaltestelle Ober-Gläsersdorf 4 km

Sandhäuser in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Sandhäuser [1939]
Kolonie, Gemeinde Gläsersdorf, Kreis Lüben, Post Lüben-Land, 18 Einwohner, 3 Haushalte, nächster Personen-, Güterbahnhof Nieder Gläsersdorf (Kleinbahn) 2 km / nächste Kraftposthaltestelle Nieder Gläsersdorf 2 km

Gut Radeck in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Radeck [1939]
Gut, Gemeinde Gläsersdorf, Kreis Lüben, Post Gläsersdorf, Lüben-Land, 54 Einwohner, 14 Haushalte, nächster Personen-, Güterbahnhof Nieder Gläsersdorf, Kleinbahn, 2 km / nächste Kraftposthaltestelle Gläsersdorf 2 km

Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Niedergläsersdorf in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927

Gläsersdorf in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Krickicht  in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Gut Radeck  in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Sandhäuser  in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Nieder Gläsersdorf [1927]
Dorf Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz 627 Einwohner Gemeindevorsteher Jacob Postamt Amtsgericht Kreissparkasse Stadtsparkasse Gewerbegericht Kaufmannsgericht Finanzamt Gewerbeamt Zollamt Lüben Landgericht Reichsbankstelle Liegnitz Elektrizitätswerk Liegnitz (Kraft und Licht 220 Volt Wechselstrom und Drehstrom) evangelische Volksschule Fortbildungsschule ländlich
Dörfer, Emil, Friseur
von Eckenbrecher, landwirtschaftliche Brennerei
Feige, Paul, Tischlermeister
Glathe, Paul, Zimmermeister
Gutsche, Arthur, Gastwirt
     (siehe auch Geschäftsanzeige von 1928)
Hanke, Gustav, Bäckerei
Hanuschke, Julius, Tischlerei
Hoppe, Oskar, Kolonialwarenhandlung
Jacob, Emil, Gastwirt
Jänisch, Emil, Schuhmacherei
Kühn, Hermann, Müllerei
Kuhnert, Fritz, Bäckerei
Martik, Gustav, Schuhmacherei
Müller, Ernst, Schmiede
Müller, Karl, Sattlerei
Puchelt, Bruno, Fleischerei
Purschke, Karl, Friseur
Schlafge, Gustav, Korbmacherei
Schrödter, Alfred, Gastwirt
Töpfer, Adolf, Stellmacherei
Wächter, Karl, Fleischerei
Walter, Wilhelm, Kolonialwarenhandlung
Wehner, Albert, Viehhändler,
Weiß, Richard, Schneiderei
Zobel, Fritz, Schmiedemeister

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Nieder Gläsersdorf [1913]
Dorf (mit Mittel Gläsersdorf Kolonie) + Rittergut (mit Mittelhof): Kreis Amtsgericht Lüben 13 km; Post Amtsbezirk Gläsersdorf (Bezirk Liegnitz) 2 km; Eisenbahnstation Kotzenau 9 km, Polkwitz 12 km; Standesamtsbezirk Nieder und Mittel Gläsersdorf; evangelisches Kirchspiel Hummel; katholisches Kirchspiel Ober Gläsersdorf; 486 + 98 Einwohner

Krickicht [1913]
Kolonie [Nieder Gläsersdorf]: Kreis Lüben 13 km; Post Neuguth-Heinzenburg 2,5 km; Eisenbahnstation Polkwitz 7 km; [11 Einwohner]

Radeck [1913]
Vorwerk [Hummel]: Kreis Lüben 16 km; Post Gläsersdorf (Bezirk Liegnitz) 3 km; Eisenbahnstation Kotzenau 9 km; [23 Einwohner]

Sandhäuser [1913]
[Nieder Gläsersdorf]: Kreis Lüben [18 Einwohner]

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913

Gläsersdorf in einem Nachschlagewerk von 1845

Niedergläsersdorf: Straßenpartie, Grenzkirche zu Hummel, Volksschule Nieder Gläsersdorf 1934, davor die Lehrerstöchter Gundula Reimann, Renate Hlubek und Rosemarie Reimann

Straßenpartie, Grenzkirche zu Hummel, Volksschule 1934, davor die Lehrerstöchter Gundula, Renate und Rosemarie Reimann.


Durch Glaserschdurf und Hummel
In niederschlesischer Mundart verfasst von Alfred Langner aus Gläsersdorf

Unter Erwähnung fast aller Gläsersdorfer Familien: Briefträger Emil Dörfer, Robert Dehmel, Duckhorn, Fleischer Friebe, Tischler Paul Feige, Gastwirt Anton Schwarz und Anna, Zimmermann Paul Glathe, Emil und Elli Gambke, Bäcker Gustav Hanke, Heidrich, Gastwirt Gutsche, Gastwirtin Meta Jacob, Förster Kaiser, Ernst Kühn, Günther Kühn, Bademeister Paul Langer, Maler Langer, Lober, Walter Lux, Schmied Ernst Müller, Mohnschuster, Malyn, Mende, Bäcker Ernst Nuschke, Fleischbeschauer Emil Neumann, Paul Preuhs, Riedel, Josef Schader, Ofensetzer Paul Schneider, Bürgermeister Wilhelm Sturm, August Sommer, Schmidt, Schirwitz, Johann Sucker, Fleischer Paul Jacob, Bruno und Margot Schrödter, Chausseewärter Ernst Sucker, Tietz, Günter Waegner, Emma Weber, Paul Wallisch, Klempner Walter, Wilhelm Walter, Schmied Zobel. (Wenn ich alle Namen richtig interpretiert habe. Andernfalls bitte ich um Korrektur! Heidi R.)

Niedergläsersdorf: Bäckerei Gustav Hanke, Gasthaus Arthur Gutsche, Warenhandlung Oskar Hoppe, Evangelische Schule

Also hie sein merr im Oberdurfe und stiehn bei derr Bräuerrei. Neigiehn woarn merr nie erscht, beim Friebe Fläscher koff merr ins a Stick Wurscht und beim Nuschke Bäcker an Sammel. Itz giehts immer nunderhie, hoppla, do kimmt a Auto oangeflitzt, 's wur Waegner, darr macht no Liebn. Sucker Ernst, derr Schusseewärter, krotzt under a Bäumen rimm. "Tag Ernst, schie Wetter heut", wetter giehts. Nu sein merr scho beim Grenzkien und wo die Schussee an Kurwe macht, sieht ma schon a Mittlkratschm. Nu mir woarn schnell amoal eikiehrn, de Anna, woas de Goustwirtin is, stieht ei derr Haustiere und wischt sich de Hände ou de Schirze ob. Ei derr Gouststube is frisch und 's Gortenschläger Bier schmeckt. Schnell an Kurn derrzu, nochherr stabln merr wetter.

Aha, durt kimmt Neumann Emil, derr Trichienbeschoer, a hott schunt a Klien sitza. Schreter Bruno kimmt mit derr Margott vum Felde. Nu sein merr schu beim Glouth-Zimmermoun, Paul stieht eim Howe und sieht nochm Water. Mittelhof fiehrt Mist, machn die an Gstank, Sucker Johann schimpft deswegn wie a Rohrsperlch. Bei derr Zobl-Schmiede vorbei kumma merr zu a lange Wiesn. Bei derr Boudeounstalt stieht Langer Paul, derr Boudemäster, oum Wosserr und gofft. Ob merr a Gutsche Goustwirt besichn? Ach, giehn merr och bis zum Gerichtskratschm, zurr Jacob Meta. Aha, Derfer Emil macht groade a Brief kostn lier, Walter Willem stieht ou derr Tankstelle und nickt mit'm Kuppe. Ei derr Schmiede stieht Miller Ernst, derr Schmied, mit'm Paul und Schada Josef, derr Nupper. Jacob Paul, wous derr Fläscher is, kimmt mit'm Motorroude ougewixt. Im Gousthouse bei derr Meta giehts bunt zu, drinn sitzn Schneder Paul, derr Ofnsetzer, derr Mounschuster, Leuschner Willem, wous derr Goustwirt aus Braunau is, und de Meta, de Goustwirtn. Mir setzn ins derzu und trinkn a pour mitte, gour zu lange haln merr ins nie uff und stabln wetter!

Niedergläsersdorf: Evangelische Kirche, Gasthaus Arthur Gutsche, Inspektorwohnung, Fleischerei Arthur Gutsche

Hiert och, wous derr Hanke Gustav, derr Bäcker, ferrn Spektakl macht. De Weber honn'n gwiß geärgert, ieberhaupt die kläne Emml, de Puckliche, senne Schwägern, hott ane gruße Gusche! De Mounschustern stieht ei derr Loudentiere und macht a finster Gsichte. Feige Paul, derr Tischler, stieht ei a Hemdsärmeln underm Birnbom und sieht a Sperlchn zu. Sene Ahle schimpft wie an Scharloster, de Gänse honn er de Gurkn obgezwickt. Schuld ist Paul, derr hott nie uffgepoßt. Nu ja, ja, de Heidrichn und de Riedln sind o wieder beim Klotschn und Schantiern. Bahl hätt ins a Roudler imgefuhrn, 's wur Inspektor Tietz aus'm Roudeck. Lux Walter hott an Menge Räder ou derr Bude stiehn. Uff derr huchn Poppl stieht derr Sturch eim Naste und kloppert. Im Roudecker Tech lärm de Fresche, mer kriegn ander Water. Alt Paul stieht uff derr Bricke und mart mit derr Lobern.

Bahl sein merr nu oum Ende vo Glaserschdurf und langsam giehts uff Hummel zu. Nuschk Ernst stieht ou derr Stroße und hott an dicke Zigarre eim Mol. Endlich sein merr bei Sturm, Wilhelm is no im Felde. Eim Howe stiehn an Menge Leute, a is nämlich Birgemäster. Satt ock, Gambke Emil macht Futter eim Gourtn. A zankt sich groude mit derr Elli, wous sene Schwaster is. Uffm Hummelhowe honn se Feierobnd gemacht. Vouter Pruss kimmt groude mit'm Paul ougelotscht. Itzt kummer langsam eis Durf neu, a Schustertomm rimm, kimmt Summer August mit Futter, de Madl sitzn hing druff. Nu sieht ma schunt 's Transfermaterhäusl hinger derr Sproutte stiehn. Uff derr Aue hott's an Menge Kinder, die kinschn mit Waldis Hund, mit'm Prinz. Langer Molersch Blouschn sein o mitmang. Bei Schworz Anton ei derr Gouststube giehts lustig zu, ebn macht Majestät derr Kaiser Förster de Stuffn nuff.

Niedergläsersdorf: Gasthaus Lange, Inspektorwohnung, Gutshof, Dorfstraße

Mir kiehrn no nie ei, warn noch a Stickl eim Durfe wetter giehn. Di Diäml Robertn linst iber a Gourtn, Robert derr Lange wird bei Anton sitzn. Mutter Schmidtn is mit a Madeln im Gourtn. Die Wallschn mit derr Mutter Duckhurn stiehn eim Pasterhowe und quotschn , mit derr Malyn, Vouter Duckhurn macht zu Schworzn, an Kurn trinka, 's wur mächtig worm heute und do hott a Durscht. Froo Schirswitzn, de Muhme, kimmt groude vom Malkn. 's wird langsam Obnd und im Glocknhäusl läutn se Feierobnd. De Kihn Ernstn urbert no mit derr Gisskonne uffm Kirchhowe rimm. Dar ale Vouter Mende und Kihn Ernst hiern groude uff mit Hulzsägn. Der Kanter schnipplt im Gartl ou a Blumen rimm und kinscht ob und zu mit'm Hunde. Nu sein merr ou derr Kiesgrube ougelangt, durt hupst derr Kihn Ginter mit a Ziegn rimm. Vo hier aus sieht ma Johannhof und die ale Zieglei, mir giehn aber nu zurick. Denn mir wulln doch zu Anton neimachn, und Durscht hätt merr o.

Hiert och, do sein se fest bem Pichln. Anton ei Hemdsärmeln, de Zigarre im Mol, sticht ei derr Schänke und gisst ei. Oum Tisch sitzn Diäml Robert, Walsch Paul, derr Walter Klempner und derr Langer Moler. Merr winschn a schin Guttn Obnd und setzn ins derrzu. An Tschierske Kurn trinkn merr freilich mit. Der Langer Moler und de Schworzn sitzn ei derr Kiche und marn. Droußn is nu finster gwurn und Anton macht Licht und schalt's Radio ei.

Alfred Langner LHB 8/1973

1917: Warenhaus Hoppe, Fleischerei Arthur Wächter, Familienhaus, Schule

Warenhaus Hoppe, Fleischerei Arthur Wächter, Familienhaus, Schule

1917: Arthur Wächters Fleischerei

Niedergläsersdorf 1917: Arthur Wächters Fleischerei


Zwischen Heide und Bruch - Die beiden Gläsersdorfer Schlösser

Schloss des Ritterguts Nieder-Gläserdorf um 1926

Hoch oben am Himmel ziehen die Wolken in eiliger Flucht, getrieben vom Nordwind, der über das Kiefernmeer fegt. Vom Waldrand der erheblich höher als die westliche benachbarte Bruchlandschaft gelegenen Heide blicken wir hinab auf Gläsersdorf, das sich in sanftestem Gefälle aus der Heide ins Bruch hinabzieht. Wie schon der Name sagt, ein Dorf, in dem einstmals Glas gemacht wurde. Ein altes deutsches Reihendorf, das am unteren Auslauf in das zugehörige Hummel übergeht, ein Haufendorf, sehr aufgelockert und verstreut, schon ganz in einer der östlichen Ausbuchtungen des Sprottebruches. Damit gleitet Gläsersdorf also aus der Kiefernlandschaft einstiger Eiszeitdünenschüttungen in das Gebiet des mächtigen eiszeitlichen Stausees hinab, der hier im Breslau-Magdeburger Urstromtal wogte. Wandert man im Frühling oder Sommer von Obergläsersdorf nach Hummel hinab, so kommt man aus einer Region des würzigen Harzgeruchs in eine völlig andere, deren Luft nach jedem großen Grasschnitt erfüllt ist vom nicht minder markanten Geruch des frischen Heues, das in der Sonne bäckt. Erinnert Hummel mit seiner alten malerischen "Grenzkirche" an die Zeit der Gegenreformation, die den unseligen konfessionellen Riß in furchtbarer Weise vertiefte, so sind es in Gläsersdorf zwei Schlösser, die die Geschichte des Dorfes bestimmen.

Das Schloß Ober-Gläsersdorf hat überragend kulturhistorische Bedeutung. Es ist ein barockes Juwel in der Heide des Lübener Kreises, ein Gedicht in Stein. Der Baumeister des 1711 erbauten Schlosses war der in Gmünd in Kärnten geborene Johann Blasius Peintner, Hofarchitekt des Breslauer Fürstbischofs Franz Ludwig. Die Gartenseite und das Hauptportal des Schlosses, das einem der Zweige der gräflich Ballestremschen Familie gehörte und in dem der 1795 geborene Reiterführer General Bernhard Ernst Graf Clairon d'Haussonville aufgewachsen ist, sind von großer Schönheit.

Mittel Gläsersdorf

Das Schloß Nieder-Gläsersdorf, schon ganz im Bereich des oberen Sprottebruches gelegen, wartet mit großen geschichtlichen Erinnerungen auf. Allerdings nicht der Schloßbau von heute, denn das alte Schloß ist in der Nacht zum 29. Dezember 1894 völlig abgebrannt. Es war einstmals ein festes Wasserschloß, das in trüber deutscher Zeit eine Raubritterburg wurde. Von Sagen umrankt, die noch heute in den Dörfern dieser Gegend weiterleben. Es gab da eine "weiße Frau", die nächtlicherweise im malerisch verwilderten Schloßpark spukte. Es gab ein Gespensterzimmer mit einem geheimnisvollen Blutfleck, das war der Raum des Schlosses, der in dem nächtlichen Brande von 1894 zuletzt zusammenstürzte, nachdem man noch bis ganz zuletzt den schrecklichen Blutfleck gesehen haben will. Und dann die Sage von dem unterirdischen Gang, der von diesem Schloß bis zur Heinzenburg geführt haben soll und aus dem einst ein neugieriger Schornsteinfeger, der ihn erforschen wollte, nicht mehr herauskam. Die Existenz eines so langen Ganges ist ebenso unwahrscheinlich wie jene Sage, daß ein unterirdischer Gang die Heinzenburg mit Polkwitz verbunden haben soll.

Nicht weit von Gläsersdorf läuft die große historische Landstraße Berlin-Breslau, auf der Friedrich der Große so manches Mal über Krassen, Grünberg, Polkwitz und Lüben nach Schlesien gefahren ist. Zum ersten Mal, als er im Dezember 1740 mit seinem Heer in Schlesien einrückte und damit der 1. Schlesische Krieg begann. Der König betrat den schlesischen Boden zuerst am 16. Dezember in Deutsch-Kessel (Kreis Grünberg) und übernachtete am 26. Dezember im Gräflich Nostitz'schen Schloß in Nieder-Gläsersdorf.

Nieder Gläsersdorf 1905 mit Schloss Hummel Radek, Jakobīs Gasthaus, Spatzkeīs Warenhandlung und Glockenturm

Und damit sind wir auch schon bei einer anderen historischen Erinnerung an eine der markantesten Persönlichkeiten der friderizianischen Kriege, an den kursächsischen Generalmajor Georg Ludwig Reichsgraf von Nostitz. Seine Familienverhältnisse brachten es mit sich, daß er, der aus altem schlesischen Adel stammte, auf österreichischer Seite gegen Friedrich II. kämpfte. Daß Friedrich die Niederlage bei Kolin (Böhmen) erlitt, daran hatte Nostitz entscheidenden Anteil. In der Schlacht bei Leuthen wurde er schwer verwundet. Man sagt, daß er den Tod gesucht habe, weil man ihm wegen der großen Verluste, die sein draufgängerisches Vorgehen zur Folge hatte, heftige Vorwürfe gemacht hatte. Mit 14 Wunden blieb er bis zum Abend auf der gefrorenen Erde liegen, dann brachte man ihn nach Neumarkt ins Hospital, wo er am 7. Januar seinen Verwundungen erlag. Am 1. Februar wurde er in der Kirche in Hummel im Erbbegräbnis der Familie bestattet. Seine Kinder kehrten später in die alte schlesische Heimat zurück. Sein Enkel, Reichsgraf Ludwig August Ferdinand von Nostitz auf Schloß Zobten bei Löwenberg, war Blüchers persönlicher Adjutant und rettete diesem in der Schlacht bei Ligny unter eigener Lebensgefahr das Leben. Er wurde Generaladjutant Friedrich Wilhelms III., 1843 Chef der Blücher-Husaren und starb 1866 als zweiter Kommandant von Berlin. Dessen Sohn war Graf Wilhelm von Nostitz auf Zobten, der 1870 als Rittmeister Adjutant im Großen Hauptquartier war und in der Nacht zum 2. September im Schloß zu Dochery den Verhandlungen zwischen Moltke und Wimpfen beiwohnte, die zur Kapitulation von Sedan führten. Das bekannte Bild Anton von Werners zeigt die Hünengestalt des Gardedragoner-Rittmeisters im hellblauen Dragonerrock mit der Adjutantenschärpe.

Aus einer Zeitung von 1944, veröffentlicht in LHB 3/1991, eingesandt von Hildegard Paech


Rittergut Niedergläsersdorf

Ergänzungen zu obigem Artikel von
Ursula Stettin geb. Eckenbrecher:

abgestempelt am 3.2.1908 in Gläsersdorf Das "Schloß" war das alte Inspektorhaus. Inspektor Mutke wohnte bis 1916 darin. Danach unsere Mutter Frau von Eckenbrecher mit uns Kindern. Das alte Barockschloß brannte 1989 ab. Besitzer nach der Familie von Nostitz auf dem Rittergut Niedergläsersdorf waren auch meine Urgroßeltern Wilhelm Collin und seine Ehefrau Marie geb. Gladowska. Sie hatten drei Kinder, Luise, Gertrud und Hans. Am 26. 12. 1884 heiratete mein Großvater Arthur von Walther-Croneck, Majoratsherr auf Kapatschütz (Kr. Trebnitz), Gertrud Collin. Da Gläsersdorf arg verschuldet war, kaufte mein Großvater das Gut seinen Schwiegereltern ab. Es wurde als Nebengut von dem Inspektor Herrn Mutke bewirtschaftet.

Am 5. Mai 1916 starb mein Großvater, und seine Tochter, meine Mutter Marie-Luise von Eckenbrecher, erbte das Gut. Sie bewirtschaftete es mit Inspektor Seidel, den sie 1927 heiratete. Durch die Inflation verlor Mutter ihr Vermögen. Dazu kamen die schweren Jahre nach dem 1. Weltkrieg, die besonders hart für die Landwirtschaft waren. So wurde Mutter gezwungen, das Gut Gläsersdorf zu verkaufen. Es wurde 1930 aufgesiedelt.

In Gläsersdorf verlebte ich mit meinen Brüdern Hellmuth, Hasso und Konrad, mit den Hofe- und Dorfkindern glückliche Kinderjahre. Meine Brüder leben nicht mehr. Konrad ist seit 1944 vermißt, Hasso seit 1945... Hellmuth starb 1984 in Buenos Aires, wo er mit seiner Familie wohnte.

Ursula Stettin (1914-2005), die Eckenbrecher Ulla, in LHB 6/1991


2. und 3. Klasse der Schule Nieder-Gläsersdorf im Jahr 1928

2. und 3. Klasse der Schule Nieder-Gläsersdorf im Jahr 1928
Links der Klassenlehrer der beiden Klassen Kurt Reimann, rechts der Schulleiter Paul Donath
1. Reihe (hinten von links):
Martha Scholz, Hilde Töpfer (wird Mutter des Olympiasiegers Dr. med. Hans Joachim Walde), Richard Seidel, Fritz Scheda, Lotte Seidel, -, -.
2. Reihe: Marie Scholz, Frieda Müller, Gertrud Wehner, Lina Kurzke, Ilse John, Gerhard Berndt, Frieda Hoffmann (Kolonie Sand).
3. Reihe: Grete Sucker, -, Willi Jesse, Willi Schmidt, Ilse Smolek, Kurt Paul, Johannes Jesse, Elfriede Dockhorn, -.
4. Reihe: Erna Sellerie, Gertrud Schneider, Grete Kuhnert, Wolfgang Donath, Konrad von Eckenbrecher, Margarete Stettin, Ida Schellner, Schneider, -, Kurt Schellner, Paul Girlich, Heinz Hoffmann, Hubert Gutsche.
5. Reihe: Helene Berndt, -, Marie Riedel, Herbert Lober, -, Herbert Gutsche, Alfred Seidel, -, -, Helene Kurzke, Hermann Kuhn (Windmühle).

4.-8. Klasse der Schule Nieder-Gläsersdorf im Jahr 1928

4.-8. Klasse der Schule Nieder-Gläsersdorf im Jahr 1928
Obere Reihe: Paul Scholz, Wally Seidel, Käthe Hanke, Frieda Korpp, Richard Schmidt
2. Reihe: Hans Kursave, Willy Jüttner, Willy Pawlik, Ernst Korpp, Frieda Scheda, dahinter Richard Seidel, -.
3. Reihe: Lehrer Reimann, Martin Töpfer, Hermann Feige, Otto Dockhorn, Max Walter, Gerhard Linke, Scholz, Helene Kernig, Lehrer Donath
4. Reihe: Martha Scholz, Gertrud Hanke, Hilde Töpfer, Else Töpfer, Alma Fiedler, -, Alfred Wehner, Fritz Scheda, Alma Hübner, Gertrud Wehner
5. R.: Elfriede, Marianne Feige, Elfriede Feige, Gerhard Seidel, Gertrud Fiedler, Gertrud Seidel, Willy -, Mariechen Scholz, Elfriede Dockhorn


Zu den Personalkarten der Gläsersdorfer Lehrer
auf der Website der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung
des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung

Rudolf Bartsch
Rudolf Bartsch
Erich Hlubek
Erich Hlubek
Hugo Noack
Hugo Noack
Kurt Reimann
Kurt Reimann
Paul Springer
Paul Springer


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