Die Landwirtschaft gab Fritz Friedrich bald auf und widmete sich ausschließlich dem Gasthof, der Fleischerei, der Post- und Bankfiliale und dem Standesamt. Er war Feuerwehrhauptmann und Vorsitzender des Ortsvereins des Kyffhäuserbundes. Ein aktiver, geselliger und angesehener Petschkendorfer!
Durch den schönen Saal gab es natürlich viele Veranstaltungen: Vereinsfeste, Tanzvergnügen und private Feiern. Auch kam in regelmäßigen Abständen ein Wanderkino vorbei, so dass die Petschkendorfer auch in dieser Beziehung auf der Höhe der Zeit waren. Für die Tanzveranstaltungen holte sich Fritz Friedrich die Musiker von den Militärkapelle der Lübener Reiter. Diese waren, genauso wie Fritz Friedrich, recht feierfreudig, was hin und wieder zu gewissen Problemen mit dem Kapellmeister führte. ("Herr Friedrich sie sollen mir meine Musiker nicht immer so betrunken machen, die fallen mir ja am nächsten Tag vom Pferd").
Mit dem "Dritten Reich" hatte Fritz Friedrich augenscheinlich nichts am Hut. Von den vielen neuen Ämtern, mit denen all und jedes dem politischen Diktat der NSDAP unterworfen wurde, wollte er keines annehmen. Er zog sich immer mehr zurück.
1945 war er nur noch Gastwirt. Das letzte Weihnachten in der Heimat begingen wir 1944 mit seinen Kindern und Kindeskindern Natürlich ohne die Schwiegersöhne, die waren alle Soldaten. Ich war damals 6 Jahre alt und völlig begeistert, Weihnachten mit meinen Geschwistern und meinen Vettern bei den Großeltern zu verbringen.
Auf die Flucht ging er mit seiner Frau und der jüngsten Tochter Dora. Sie war Gutskanzleigehilfin im Mitteldominium bei Gutsbesitzer Werner Margull und Rentmeister Georg Scholz in Petschkendorf. Ihr Mann war zum Zeitpunkt der Flucht schon in Tschermissenowo gefallen. Sie konnten sich mit ihrem Kutschwagen an das Fuhrwerk eines Bauern anhängen, da selbst der alte Schimmel zum Kriegsdienst eingezogen war. Sie sind dann in Etzdorf bei Eisenberg in Thüringen gelandet.
Wolfgang Pietsch, 2012