Familie Keil vom Nikischhof bei Seebnitz
Gemeinde Seebnitz














Nikischhof um 1932

Aus dem einst von einem Wallgraben umgebenen Schloß, das der Sage nach durch einen unterirdischen Gang mit der etwa 10 km entfernt liegenden Heinzenburg verbunden sein sollte, entstand ein Gutshaus, wie man es in Schlesien häufig, zumeist in der friederizianischen Zeit erbaut, fand. Nur der Keller unter der Ostseite zeugte mit seiner 6 Meter dicken Außenmauer und den Spitzbogengewölben Hofplan Nikischhof aus Feldsteinen von der Wucht der alten Anlage, die vielleicht im 13. Jahrhundert entstanden war. Nach dem ersten Weltkrieges gelangte der Hof in den Besitz einer Siedlungsgesellschaft. Neben Landzulagen an Kleinbauernhöfe entstanden 2 Neubauernhöfe, von denen mein Vater 1927 den größeren erwarb. Am 14. September 1927 heirateten unsere Eltern und zogen bald danach in Seebnitz ein. Im Volkmund jedoch hielt sich der über Jahrhunderte übliche Name Nikischhof, vielleicht der Name des Gründers.

Nach den Jahren des Anfangs, in denen unseren Eltern keine Mühen und Sorgen erspart blieben, bekam der Hof wieder eine sichere Grundlage. Auf den als guter Mittelboden zu bezeichnenden Äckern betrieb unser Vater einen Saatgut-Vermehrungsanbau für Winterweizen, Roggen, Sommer- und Wintergerste, Hafer und Kartoffeln. Zuckerrüben und Feldgemüse bei ausgedehntem Zwischenfrucht- und Luzerneanbau brachten eine gute Futtergrundlage für die durchschnittlich 33 Stück zählende Stammherde. Eine Weidefläche von 6, 5 Hektar, in 6 Einzelkoppeln unterteilt, diente in den Sommermonaten dem schwarzbunten schlesischem Niederungsvieh als Futter. Eine Gebrauchspferdezucht des niederschlesischen Warmblutes auf ostfriesischer Grundlage sorgte mit 5 Pferden und 2 einjährigen Fohlen für den betrieblichen Bedarf an Zugtieren. Dazu ein Zugochsengespann. Wegen seiner frühen Schlachtreife wurden etwa 20 deutsche Edelschweine gehalten. Ein Stamm von 130-150 Rhodeländern, dazu Gänse und Enten bevölkerten den Hof mit seinem weiten Auslauf, in dem auch ständig frisches Wasser floß. Neben einer eigenen Dresch-maschine mit Strohballenpresse und Elektromotor waren alle für den Anbau notwendigen Maschinen und Geräte vorhanden. Ein genossen-schaftlich gehaltener Schlepper half Arbeitsspitzen zu brechen und eine Alfa-Melkanlage ersetzte die anstrengende Arbeit des Handmelkens. Eine eigene Wasserversorgung diente den Erfordernissen des Hofes. Die nebenstehende Skizze erläutert die Hoflage und Gebäudenutzung.

Weg zum Wohnhaus

Der Weg zum Wohnhaus

Ställe und Hof

Ställe und Hof

Scheune

Scheune

Arbeiterhaus

Arbeiterhaus

Erwin (1899-1963) und Marie Keil (1903-1986) um 1927

Die Kinder Hans-Joachim, Annemarie und Eberhard um 1940

Erwin (1899-1963) und Marie Keil (1903-1986) um 1927, und mit den Kindern Hans-Joachim, Annemarie, Eberhard um 1940.

Familie Keil an der Talsperre Goldentraum

Familie Keil an der Talsperre Goldentraum

In der Badeanstalt Seebnitz gleich hinter unserem Haus

In der Badeanstalt Seebnitz gleich hinter unserem Haus


Ich war 13 ½, als wir mit Hab und Gut und Tieren und hilfsbedürftigen Mitmenschen flüchten mussten. Was ich als so junges Mädchen erlebt habe, hat mich schwer traumatisiert und ein Leben lang verfolgt. Ich habe das Grauen vielleicht nur überleben können, weil ich Tagebuch geführt habe und daran glaubte, dass das irgendwann irgendwen interessieren würde und ich wieder an die Stätten meiner Kindheit zurück könnte. Nun bin ich achtzig und glaube nicht mehr daran. Aber ich freue mich, dass Besucher auf diese Seiten kommen und etwas von früher wissen wollen und erfahren können. Deshalb habe ich dieses Material zur Veröffentlichung übergeben. Annemarie Busch geb. Keil, 2012