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Würtschhelle [1939]
Weinberg [1939] aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939
Würtsch-Helle: Kriegerdenkmal, Evangelische Schule, Warenhandlung und Post
Der Ort Würtsch taucht 1358, Helle 1414 zum ersten Male urkundlich auf, und zwar Helle als Vorwerk, das damals Holle genannt wurde. Später wurden beide Ortschaften zu einer Gemeinde vereinigt, so, wie es in der Ortsbezeichnung zum Ausdruck kommt. Interessante Aufschlüsse über das Leben längst vergangener Geschlechter in der Gemeinde gab das im Jahre 1745 eingerichtete, in Schweinsleder gebundene Schöppenbuch. Eine große Anzahl von Kauf- und Verkaufskontrakten gaben reichen Aufschluß über das wirtschaftliche Leben und die Namen der Bauern, die 1945 noch geläufig waren. Dammer, Dünnbier, Elsner, Käsler, Reimann usw. sind einige dieser überlieferten Namen. Wie früher in verschiedenen Orten des Kreises, so wurden auch in Würtsch-Helle Weinreben angepflanzt. Eine Sehenswürdigkeit war der Weinberg, am Ostausgang des Dorfes gelegen. Auf ihm befand sich auch ein reicher Bestand an Maulbeerbäumen zum Betrieb der Seidenraupenzucht. Noch in den 1870er Jahren war der Wein- und Hopfenanbau sehr erfolgreich. Auf der Spitze des Weinberges stand ein Glashaus, das von den zahlreichen Ausflüglern als Aussichtsturm benutzt wurde, und ein Sommerlokal, welches in der Form eines Pilzes gebaut war. Große Weinfeste sollen hier stattgefunden haben, zu denen Gäste aus nah und fern zusammenkamen. Wegen des großen Zuspruchs wurde im Jahre 1873 ein zweites Gasthaus gebaut. Von nun an fanden die Feste im Saale statt. Mißernten und Rebenschädlinge ließen die Anbaufläche immer kleiner werden, bis der Weinanbau ganz eingestellt wurde. Als Weinanbaugebiet hatte die Gemeinde eine Weintraube in ihrem Siegel. Nach der Elektrifizierung wurde der Betrieb der Wind- und Wassermühlen eingestellt. Das ehemalige Rittergut wurde durch die Schlesische Landgesellschaft aufgeteilt. Das Restgut hatte 38 ha. Beide Konfessionen waren dem jeweiligen Kirchspiel Kaltwasser anvertraut. Heinz Boderke, Der Kreis Lüben, 1986
Würtsch-Helle Weinanbau bei Würtsch-Helle In früheren Jahren wurde die edle Rebe in unserer Heimatprovinz sehr viel mehr angebaut als heutzutage. Mißernten und Rebenschädlinge ließen den bebauten Raum immer kleiner werden. Auch unser Heimatkreis Lüben gehört unter die verschwundenen Weinbaugebiete. Noch heute erinnern die Weinberghäuser bei Koslitz an verklungene Zeiten. Und bestimmt eignen sich die sonnenbestrahlten, sandigen Hänge der dortigen Hügellandschaft ausgezeichnet zum Anbau der Rebe. Nicht vergessen aber dürfen wir ein Dörfchen im Kreise Lüben, dessen ältere Bewohner sich noch deutlich an die Zeit erinnern, wo der Reben edler Saft am Ort gekeltert wurde, wo Wein- und Obstfeste jung und alt froh vereinten. Es ist Würtsch-Helle, an der Grenze gegen den Kreis Liegnitz und Goldberg-Haynau gelegen. Eine große Sehenswürdigkeit war der Weinberg mit seinen Wein- und Hopfenanlagen. Auf ihm befand sich außerdem ein reicher Bestand an Maulbeerbäumen zum Betrieb der Seidenraupenzucht. Noch in den 1870er Jahren war der Wein- und Hopfenbau stark im Schwung, ebenso die Seidenraupenzucht. Heute findet man nur noch einige kümmerliche Maulbeerbäume. Der Weinberg lag an der Ostseite des Dorfes. Auf seiner Höhe stand ein Glashaus, das von den zahlreichen Ausflüglern als Aussichtsturm benutzt wurde. Vom Berge führte ein Baumallee nach dem Gerichtskretscham. Außer dem erwähnten Glashaus stand auf dem Berge ein Sommerlokal, welches in der Form eines Pilzes gebaut war. Erbaut wurde es aus Stangen und Moosverkleidung. Der Erbauer ist ein Förster Händel (oder Handel) gewesen, der dort mit seinen Förstern Schießübungen abhielt. Auch eine Kegelbahn war vorhanden, welche später dem Erbscholtiseibesitzer Chr. Reimann überlassen wurde. Hier fanden große Feste statt, zu denen man von weit und breit her zusammenkam. Sie nahmen einen derartigen Umfang an, daß die Errichtung eines zweiten Glashauses nötig wurde. 1873 erbaute Robert Reichstein das Gasthaus "Zum Goldenen Frieden" und schuf den ersten Saal in dieser Gegend. Noch heute bewirtschaftet dessen Sohn Richard das Anwesen, beliebt bei jung und alt. Bei guter Verpflegung ist man nach ermüdender Waldwanderung dort gut aufgehoben. Über der Stelle verrauschter Feste liegt heute tiefer Heidefrieden, ein Mustergarten, eingerichtet von Karl Gottfried, hat die Stätten des Tanzes und des Zechens abgelöst. Verschwunden ist heute auch die Wind- und Wassermühle am Westausgang des Dorfes. Lange träumte das stille Würtsch-Helle ein Dornröschendasein. Erst in neuerer Zeit wird es wieder lebhafter in diesem Kreiswinkel, besonders seit die Elektrizität in den Weiler eingezogen ist. Jedem Freund beschaulicher Heidewanderungen sei das trauliche Waldnest zum Besuch empfohlen. Dr. med. Gerhard Anders in "Führer durch die Lübener Landschaft", 1928
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