Schloss Brauchitschdorf
Gemeinde Brauchitschdorf














Schloss Brauchitschdorf im Jahr 1925

Schloss Brauchitschdorf

Schloss Brauchitschdorf im Frühjahr
Mit einem herzlichen Dank an Kazimierz Bełz!

Schloss Brauchitschdorf im Winter

Schloss Brauchitschdorf im Winter
Mit einem herzlichen Dank an Rudi Kurzke!

Łukasz Kulig schrieb mir im Jahr 2012: "Ein Investor kaufte die Ruine vom Schloss Brauchitschdorf und baut das Ganze in Übereinstimmung mit dem Original. Wahrscheinlich wird daraus ein Hotel. Du kannst bei youtube ein Video über den Ausbau sehen. Leider nur in Polnisch."

So sah die Schlossruine noch vor wenigen Jahren aus!

Und so sieht das neue alte Schloss Brauchitschdorf heute aus!

Sammlung Duncker über die Geschichte von Brauchitschdorf:

Brauchitschdorf ist eine schon seit alten Zeiten vorhandene Ortschaft, jedoch war dieselbe nicht immer unter obigem Namen bekannt. Der ursprüngliche Name war Krostenik auch Chrustenik, welcher auf polnische, respective slavische Erbauer hinweist, da Chrost oder Chrust im Polnischen "Reisicht" und Chruscina "Gesträuch" bedeutet. Demnach scheint man annehmen zu dürfen, dass die ersten Ansiedler an diesem Platze wahrscheinlich viel Gesträuch wegzuroden hatten um zwischen demselben ihre Häuser aufzubauen, und aus diesem Umstand der frühere Name des Ortes entstanden ist - heutigen Tages sind bei demselben allerdings keinerlei Punkte mehr vorhanden, welche an jene muthmassliche, frühere Wildniss erinnern könnten.

Schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts war Chrostenik in den Händen der Familie derer von Brauchitsch, welche ihren Besitz wohl schon "Brauchitschdorf" genannt haben mögen, während auch im Volksmunde bereits früh die Benennung Brauersdorf oder Bräuersdorf aufkommt. Im Jahre 1222 ist die Pfarrkirche des Ortes gegründet worden durch den damaligen Besitzer Herrn Bonuslaus von Brauchitsch, welcher den Titel eines Eques auratus führte, und noch in demselben Jahre verstarb. Ueber diese Gründung ist ein Gedächtnisstein vorhanden, auf welchem die Thatsache verzeichnet ist, und welcher noch heute in der Halle des Schlosses aufbewahrt wird. Wenige Jahre darauf, 1249 bei dem Einfalle der Tartaren, wurden Ort und Kirche verwüstet, und die Letztere erst wieder im Jahre 1288 aufgebaut. Dieselbe wurde seit 1524 zum protestantischen Gottesdienste benutzt, nachdem die Familie von Brauchitsch in diesem Jahre den ersten lutherischen Prediger, Peter Scholz aus Breslau, angestellt hatte. 1711 brannte die alte Kirche ab, und bis zu deren und des Pfarrhauses Wiederaufbau, predigte Pastor Schmolke geraume Zeit unter freiem Himmel. Im Jahre 1849, am 12. Juli, wurde die Kirche abermals durch Feuersbrunst zerstört, angelegt von ruchloser Hand, wobei zugleich ein herrschaftliches Vorwerk, vier Bauernhöfe und die Wirthschaftsgebäude des Pfarrhofes ein Raub der Flammen wurden. Am 6. p. Trinitatis dem ersten Sonntag nach dem Brande, (wie im Grundbuche der Ortsschule zu lesen ist) wurde unter freiem Himmel neben den Trümmern gepredigt, darauf, bis zu dem 24. p. Trinitatis, wanderte das Häuflein der Gläubigen, Prediger und Kantor vorauf, allsonntaglich nach Gross-Kriechen, um dort den Gottesdienst abzuhalten.

Holzschnitt des Brauchitschdorfer Schlossparks von Elfriede Springer

Erst am 25. p. Trinitatis, dem Todtenfeste, konnte wieder in der nothdürftig mit Bänken versehenen Kirche gepredigt werden, an deren Vollendung thätig weiter gearbeitet wurde, so dass am 14. März 1851 schon in dem Thurme die drei neuen Glocken, gefertigt in Gnadenberg, und theils aus alten, unter den Trümmern hervorgezogenen Metallstücken, theils aus neuer Masse gegossen, befestigt werden konnten. Am 24. Juli 1852 folgte darauf das Aufstellen der neuen Orgel, erbaut von Herrn Reich in Bolkenhain, und demselben mit 815 Rthlr. bezahlt. Diese Orgel, mit 15 klangbaren Stimmen, 2 Manualen und l Pedal wurde dem zeitigen Küster F. W. Kapler durch den zur Abnahme herbeigerufenen Königlichen Musik-Director, Seminarlehrer, Herrn Karow aus Bunzlau zum gottesdienstlichen Gebrauch übergeben.

Endlich am 29. September 1859 war die Kirche vollständig neu errichtet und wurde an diesem Tage durch den Königlichen General-Superintendent, Herrn Dr. Hahn aus Breslau feierlich eingeweiht.

Auch über die früheren Besitzer der Herrschaft Brauchitschdorf hat sich aus alten Zeiten manche bemerkenswerthe Notiz erhalten. Nachdem in Folge der schon erwähnten Verwüstung durch die Tartaren der Ort eine Zeit lang ohne Gutsherr geblieben zu sein scheint, wurde dessen Grund und Boden am 7. Dezember 1259 durch den Herzog Boleslaus (Calvus) III. seinem getreuen Ritter und Hof-Cavalier Velislav oder Boleslaus aus der Familie von Völss geschenkt und bei dieser Gelegenheit der alte Name des Ortes Chrustenik offiziell in Brauchitschdorf verwandelt. Velislav von Völss baute das Dorf, zu welchem der Herzog demselben noch eine beträchtliche Strecke Waldes geschenkt hatte, von neuem auf und nannte sich seitdem Herr von Brauchitsch.

Der Palatinus Stogygneus Castellan in Liegnitz, Rahegneck Radwanus de Luscicowitz d. i. Rüwein von Lasenig, und Wysa de Wangotho d. i. von Wangten waren Zeugen jener landesherrlichen Schenkung von 1259 laut des noch im Jahre 1687 vorhanden gewesenen Vidimus, aus welchen Zeiten von Thebesius et Eberhardt geschriebene Acten noch jetzt in Liegnitz aufbewahrt werden, welche zum grossen Theil als Quellen für die Herstellung des Vorliegenden dienten. Weitere Notizen, besonders über die Nachkommen des Ritters Velislav, genannt von Brauchitsch, befinden sich in dem seltsamen alten Werke: "Schlesisches Adels-Lexicon" von Johannes Sinapius Theil I. Seite 292, und Theil II Seite 543, wir erwähnen hier indessen nur Friedrich von Brauchitsch, welcher der Kirche des Ortes eine noch vorhandene Altar-Bibel schenkte, und ferner den letzten Gutsherrn aus der Familie von Brauchitsch, Abraham, welcher sein Besitzthum für 100,000 Thlr. im Jahre 1633 an Herrn Nicolaus von Haugwitz verkaufte.

Dieser Herr Nicolaus von Haugwitz war fürstlich Liegnitz-, Brieg- und Wohlau'scher Rath und Patron der Ortskirche, an deren Sakristei demselben eine Gedenktafel errichtet ist. Er vererbte seine Besitzung an seinen Sohn, den General von Haugwitz, vermählt mit einer geborenen Freiin von Schweinitz. Diese beide Gatten haben sich um den Ort sehr verdient gemacht. Während die Frau der Schule ein Legat von 200 Thlr. im Jahre 1722 vermachte, gründete der Mann die herrschaftliche Familiengruft zu deren Unterhalt 800 Thlr. niedergelegt wurden, und in welcher er nebst Gattin, seiner Tochter, und dem Herzen seines Sohnes ruht. Sein vorzüglichstes Verdienst ist jedoch die Erbauung des noch vorhandenen herrschaftlichen Schlosses in den Jahren 1723-1728. Er starb ohne Erben, somit fiel Brauchitschdorf an das Königliche Haus, und erhielt dasselbe der Bruder des Königs Friedrichs des Grossen, der Prinz Ferdinand, welcher das Gut später wieder an einen Herrn von Kottwitz verkaufte.

Nachdem dieser nur 14 Tage Eigenthümer der Herrschaft gewesen war, der Kirche ein Legat von 100 Thlr. geschenkt hatte, überliess er das Besitzthum seinem Schwager, einem Herrn von Lucke, welcher gleichfalls der Kirche eine Schenkung machte, und zwar von 300 Thlrn. Im Jahre 1804 kam Brauchitschdorf durch Kauf von Herrn von Lucke in die Hände der gräflichen Familie von Schmettow, und war der erste Besitzer aus diesem Geschlecht der Königliche Oberst, Philipp Graf von Schmettow, welcher 1807 starb, in hiesiger Gruft beigesetzt wurde und seine Gemahlin geborene von Kalkreuth zur Erbin hatte. In dieser Zeit kam das Gut in Sequestration, aus welcher es Bernhard Philipp Reichsgraf von Schmettow, Königlicher Oberstlieutenant im Jahre 1810 übernahm. Der zeitige Besitzer der Ortschaft ist der Sohn des Vorigen, Max Reichsgraf von Schmettow, geboren 15. October 1824, Königlicher Preussischer Oberst, Commandeur des Rheinischen Cürassier-Regiments No. 8, in erster Ehe vermählt mit Justina, geborene Gräfin von Blücher-Wahlstatt; in zweiter Ehe mit Adele von Usedom aus Glutzow bei Bergen auf der Insel Rügen.

In neuerer Zeit sind durch den jetzigen Besitzer in Brauchitschdorf mancherlei Veränderungen getroffen worden und hat der Ort besonders dadurch ein ganz verändertes Ansehen erhalten, dass eine Reihe alter, bereits morsch gewordener Pappeln, welche das im italienischen Villen-Stil aufgeführte Schloss seit seiner Erbauung, mithin seit 150 Jahren, umstanden, niedergehauen wurden, weil sie bei Stürmen in das nahe stehende Herrenhaus zu fallen drohten; der Blick auf dasselbe ist seitdem freier und schöner geworden. In das freie Giebelfeld des Mittelbaues ist ein 6 Fuss grosses "Eisernes Kreuz" aus Metall gefertigt, angebracht worden, welches nach der Vorderfront die Jahreszahl 1813, nach der Gartenseite die von 1870 trägt zur Erinnerung an jene grossen Zeiten, welche damals der Vater und kürzlich der Sohn glücklich mit durchgekämpft hatten.

Schloss Brauchitschdorf auf einer Farblithographie

Schloss Brauchitschdorf nach einer Farblithographie der Sammlung Duncker


Schloss Brauchitschdorf

Mit meinen Besuchen des märchenhaft schönen Schlosses Brauchitschdorf verknüpft sich die Erinnerung an außerordentlichen Kunstgenuß und liebenswürdigste Gastfreundschaft. Es gehörte zu den schönsten der schlesischen Wasserschlösser aus der Hand des großen Barockmeisters Martin Frantz, des Erbauers des Liegnitzer "Leubuser" und des "Hohbergischen" Hauses, der Hirschberger Gnadenkirche und vieler Adelsschlösser aus der Zeit bis 1742.

Brauchitschdorf gehörte den Schmettows, deren Name mit Mars-la-Tour und dem 1. Weltkriege verbunden ist.

Seit 1922 war Frau von Schierstädt, Freundin der Kaiserin Wilhelmine, Alleinbesitzerin des Gutes, das ihr erster Gatte, Rochus von Lüttwitz, 1905 gekauft hatte. Das Schloß ließ Frau von Schierstädt durch den Breslauer Baurat Karl Grosser instandsetzen. Es war ein wahres Juwel besten österreichischen Barocks mit seinen giebelbekrönten Fronten reicher Detaillierung. Die Innenräume waren durch schöne Stuckarbeiten, reich gezierte Parkettböden, antike Möbel und kostbare Gobelins ausgezeichnet. Der herrliche Park mit dem das Schloß umgebenden, von italienischen Gondelfesten erzählenden Kanal vervollständigte den idyllischen Gesamteindruck.

Als Frau von Schierstädt das Schloß bei ihrem Fortzuge mit dem der Lichtenau in Potsdam vertauschte, bat sie mich, ihr zur Erinnerung zehn Aquarelle zu malen, die sie dort in ein Paneel einbauen ließ. Nach ihrem Tode waren sie nicht mehr da, während sie ihrem Bruder, Herrn Vonviller in Paris, und Herrn Grafen Schmettow-Rohnstock früher Kopien von meiner Hand geschenkt hatte. Von allen meinen Bildern habe ich diese Aufzeichnung gerettet. Die Gartenfront des Schlosses Brauchitschdorf soll die Erinnerung an eine schöne Vergangenheit festzuhalten helfen.

Carl Loewe (1874-1961) in LHB 21/1955


Schloss Brauchitschdorf, Zeichnung von Carl Loewe

Brauchitschdorf: Partie am Wallgraben, Schloss, Azaliengruppe, Partie am Tennisplatz, Lindenweg

Partie am Wallgraben, Schloss, Azaleengruppe, Partie am Tennisplatz, Lindenweg. Mit herzlichem Dank an Kazimierz Bełz!