Kotzenauer Wappen
Manfred Kronstein (1919-1987)
Kotzenau














Manfred Kronstein und Band im August 1938, von links: Hans Brandt, Manfred Kronstein, Heinz Strempel, Kurt Höhne, Alfred Knappe

Manfred Kronstein und Band im August 1938
Von links: Hans Brandt, Manfred Kronstein, Heinz Strempel, Kurt Höhne, Alfred Knappe. - Herzlichen Dank für das Bild an Reinhard Fitzner!

Damals in Kotzenau

Ich war der Pianist in Manfred Kronsteins erster Band! Wir nannten sie damals noch Tanzkapelle! Manfred Kronstein hatte sie gegründet, da war er wohl noch nicht mal 18 Jahre alt. Er war der Chef der Truppe und Solist für Saxophon, Klarinette und Trompete. Wir hatten damals auch schon so etwas wie eine Erkennungsmelodie. Unsere Tanzabende begannen wir stets mit dem Marschfox Heinzelmännchens Wachtparade.

Auch einen Künstlernamen gab es schon: Fred Stein - entnommen dem bürgerlichen Namen von ManFred KronStein. Daher auch die Initialen FS. Wir spielten in der Gaststätte "Kronstein" und im "Weißen Roß", beide in der Primkenauer Straße, und in kleinerer Besetzung auch mal im Ratskeller.

Interessant ist heute, wie wir unser Honorar erhielten! Wenn es auf Rechnung des Gastwirts ging, bekamen wir pro Mann und Stunde eine Gage von 1,50 RM! Spielten wir auf eigene Rechnung, dann begannen wir mit zwei Musikstücken. Danach bildeten die Tanzpaare einen Kreis und ein sechster Mann ging mit einem Teller rundum und kassierte pro Paar 10 oder 20 Pfennig. Am Tellerrand hatte der "Kassierer" eine Fahrradklingel befestigt, die er ertönen ließ zum Zeichen, daß die Runde abkassiert war. Danach spielte die Kapelle noch ein Musikstück, womit eine Tanzserie beendet war. Besonders fleißige Tänzer kauften sich am Saaleingang eine Tanzschleife für 1 oder 2 RM und hatten damit ihren Obolus für den ganzen Abend entrichtet.

Hans Brandt in Lübener Heimatblatt 5/1991

Anzeige der Gaststätte Prinz Heinrich von Familie Kronstein
Anzeige der Gaststätte Weißes Roß
Anzeige des Ratskeller-Wirts Hermann Lehmberg

Das lachende Saxophon

Das lachende Saxophon Die Töne verklingen, aber die Harmonie bleibt - so empfinde ich, wenn ich an Manfred Kronstein denke.
Als Kinder waren wir Kotzenauer, später dann Lübener; was uns immer verband, war die Musik.

In Lüben waren wir zu dritt: Manfred Kronstein (genannt "Manne"), sowie Gerhard Dittrich - der Maler* - (Geige) und ich, Herbert Ernst (Klavier und Akkordeon). Und warum spielten wir zusammen? Ja, ganz einfach: es machte uns Spaß. Das Besondere aber bei uns war, wir waren beweglich. Ja, wir hatten das Glück, daß wir beide, der Maler und ich, Eltern hatten, die uns für unsere musikalischen Reisen ein Auto zur Verfügung stellten. Und so kam es, daß wir, wo eben etwas los war, plötzlich auftauchten und also auftreten konnten. Welch ein Glück, daß ich bereits mit 16 Jahren den Führerschein für Pkw und Motorrad ablegen durfte.

Ein gern angesteuertes Ziel war die Glastanzdiele in Steinau. Dort wurde gute Tanzmusik geboten. Die Kapellen wechselten im Turnus. Meistens gestattete man uns, mal mit einer Einlage zu glänzen. Doch einmal liefen wir den Profis voll ins Messer. Brav fragten wir die Herren Musiker auf dem Podest, ob wir die Pauseneinlage übernehmen dürften. Man war etwas überrascht, doch als Manne mit seinen Instrumentenkoffern anrückte, willigten die Herren ein, jedoch unter der Bedingung, daß wir ein Stück ihrer Wahl zunächst allein vortragen sollten und danach dann alle zusammen. Wir sagten siegessicher zu. Man machte auf dem Podest Platz. Manne rückte seine zwei Saxophone und die Klarinette zurecht und man gab ihm und dem Maler auch einen Notenständer. Dann war es bald soweit. Der Saal war voll besetzt und alle Augen waren auf uns gerichtet. Der Kapellmeister sagte uns an und dann mußte es geschehen. Wir, die Betroffenen jedoch, wußten immer noch nicht, was zu spielen war.

Ein Blumenstrauß aus Nizza Doch dann lag das Notenblatt vor uns: Ein Blumenstrauß aus Nizza - in fünf Kreuzen! Bis dato kannten wir diesen Schlager nicht und für einen Saxophonisten bedeuten fünf Kreuze vom Blatt weg zu spielen eine nicht gleich lösbare Aufgabe. Er muß nämlich jede Note transferieren. Doch es gab nur die Wahl: entweder wir fabrizieren Töne oder wir waren bis auf die Knochen blamiert. So wagten wir es. Doch was am Anfang zu hören war, unterschied sich beachtlich von dem, was wir dann nach mehreren Durchgängen gemeinsam boten. Am Ende hatten wir den Blumenstrauß aus Nizza im Griff, dank Mannes großem musikalischem Einfühlungsvermögen.

Als wir uns nach dem Krieg in München trafen, konnte sich Manne ebenfalls noch gut an diese Episode erinnern. Von Gerhard Dittrich, dem Maler* von der Kasernenstraße in Lüben, haben wir beide leider nie mehr etwas gehört.

Man berichtete mir auch, daß Manne im Orchester Ernst Jäger gespielt habe und so auf Tournee die Josephine Baker begleiten durfte. Jeder Auftritt der Baker sei anders und jedesmal ein eigenes Erlebnis für die begleitenden Musiker gewesen. Auch habe er in der sogenannten "Prominentenband" in München gespielt, zu der u. a. der ehemalige bayerische Kultusminister Maier gehörte.

Einmal spielten wir im Altersheim in Lüben und während unseres Vortrags entschlief einer der Senioren. - Jetzt war es Manne, unser Manfred Kronstein, der uns nach seiner schweren Krankheit verlassen mußte - ein Mensch, der uns mit seiner Musik immer viel Freude geschenkt hat.

Herbert Ernst in Lübener Heimatblatt 3/1987

* Laut Adressbuch wohnte Malermeister Hermann Dittrich in der Lübener Dragonerstr. Wer weiß etwas über Gerhard und Hermann Dittrich?

Manfred Kronstein zum Gedenken

Manfred Kronstein

Am 1. Januar 1987 verstarb in München aus unserer Liegnitzer Klassen-gemeinschaft Dr. Manfred Kronstein, geboren am 8. Juli 1919.
Er stammte aus Kotzenau und Lüben* und besuchte in den letzten beiden Jahren vor dem Abitur die Herzog-Heinrich-Schule Liegnitz.

Wir hatten sehr viel Freude mit ihm, den wir kurz "Manne" nannten. Freude deshalb, weil er, der mehrere Musikinstrumente beherrschte, samstags sein Saxophon mit in die Klasse brachte, denn er spielte an den Wochenenden irgendwo in einer Tanzkapelle. In den Pausen "jazzte" er uns allerlei Schlager vor. Wir gingen daher nicht auf den Schulhof, sondern tanzten - jeder solo - auf den Schulbänken. Es war eine musikalische Toberei nach heißen Rhythmen! Aber völlig außer Rand und Band gerieten wir, wenn Manne Das lachende Saxophon vortrug. Nicht selten kam es vor, daß der Lehrer bereits in der Tür stand, während wir noch auf den Bänken oder in den Bankreihen "swingten", weil wir natürlich das Klingelzeichen überhört hatten.

Nach der Schulzeit verloren wir uns alle aus den Augen, bis wir auch wieder auf unseren Manne stießen. Er lebte in München und war - alle Achtung! - Medizinaldirektor geworden als Facharzt für innere Krankheiten. Nach einem Klassentreffen in Bamberg traf ich mich mit ihm und Felix Trillse noch einmal in einer kleinen urigen Kneipe. Da hat uns Manne seinen turbulenten Lebenslauf während der Kriegszeit erzählt. Behalten habe ich, daß er bereits während des Krieges Medizin studierte.

Nach dem Krieg ist Manne aber auch der Musik, der leichten Muse treu geblieben. Er hat in sehr bekannten Kapellen mitgespielt. In der Münchener Kneipe zeigte er Felix und mir kleine eigene Kompositionen. Im Gedächtnis ist mir noch folgende Gesprächspassage: Die Medizinerkollegen sahen und schätzten ihn als Musiker; seine Musikerkollegen befragten ihn oft, wenn sie ein Weh-Wehchen hatten, was es wohl sei, was man dagegen tun könne.

An unseren Klassentreffen hat Manne nur einmal teilgenommen und uns dort auch mit eigenen Schallplattenaufnahmen erfreut. Eine Teilnahme an anderen Treffen war ihm aus gesundheitlichen Gründen bereits versagt. Einmal schrieb er an mich: "Gern wäre ich dabeigewesen, aber meine Erkrankung hat Reisen unmöglich gemacht. Herzliche Grüße an alle!" - Wir haben mit großer Herzlichkeit an unseren lieben Manne gedacht. Nun ist er für immer von uns gegangen.
Er hinterläßt Frau, Kinder und Enkelkinder; und sogar seine Mutter, 93jährig, überlebte ihren Sohn.

Dr. Erich Schröter in Liegnitzer Heimatbrief 2/1987


* An der Abschlussfeier 1937 nach der Untersekunda am Lübener Gymnasium hat er noch teilgenommen, wie ein Foto der zeigt. Als Schüler in Kotzenau ist er auf zwei Fotos abgebildet und wird in den Erinnerungen des Lehrers Thiele genannt.