|
|
|||||||
|
Spröttchen [1939]
Neu-Spröttchen [1939] Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939
Aus der Geschichte von Dorf und Gut Spröttchen
Fast in der Mitte des Kreises Lüben, bis zum Bau der Verbindungschaussee Grenzbirke-Spröttchen-Sabitz abseits vom Verkehr, liegt das kleine Dorf rings um den Dorfteich. Es ist wohl schon als "Rundling", als altes Fischerdorf entstanden, anschließend im Südwesten der Gutshof. Das ehemalige Rittergut (Dominium) Spröttchen gehörte eine Zeitlang der urschlesischen Familie von Schweinichen, an die das Familienwappen im "Jagdsaal" erinnerte. Durch den Niedergang der heimatlichen Wirtschaft im Gefolge des 30-jährigen Krieges kamen Dorf und Gut im Zuge der Gegenreformation zum Kloster Wahlstatt und wurden kirchlich und ökonomisch mit dem Klosterhof von Kaltwasser vereinigt. Durch die Säkularisation des Kirchengutes von 1810 wurde der preußische Staat Besitzer und gab es als Dotation an verdiente Offiziere aus den Befreiungskriegen. Da diese Herren aber selten etwas von Landwirtschaft verstanden und Grund und Boden im dortigen Bereich nie viel abwarfen, wechselte es oft den Besitzer, bis es 1866 der aus Polkwitz stammende Dr. jur. Alexander Wilhelm Franz Fuchs erwarb, in dessen Familie sich das bis 1925 als selbständiger Gutsbezirk laufende Dominium bis 1927 befand.
Im September 1927 wurde das Gut von der Schlesischen Landsiedlungsgesellschaft erworben und parzelliert. Bei der Parzellierung im Jahre 1927 umfaßte es noch 1400 Morgen. Die ca. 15 Siedler kamen alle aus der Mark Brandenburg. Auch örtliche Siedler bekamen Landstücke zugewiesen. In den besten Zeiten umfaßte es etwa 2000 Morgen, davon ein Drittel Wald. Ende der 1890er Jahre wurde der größte Teil des an Bohlendorf (friderizianische Gründung nach 1750 durch die Lerchenborner Grundherren von Bohlen) anstoßenden Waldgebietes Neu Spröttchen an die Stadt Liegnitz verkauft, die es mit dem städtischen Revier Hinterheide vereinigte. Seinen Namen hat das Dorf von der dort entspringenden Sprotte, die über Primkenau (Sprottebruch) fließt und bei Sprottau in den Bober mündet. Das Dorf hatte etwa 250 Einwohner, das Gut etwa insgesamt 50 Instleute. 1367 wurde das im Tudorstil der damaligen Zeit erbaute Wasserschloß errichtet. Der deutsche Ortsname läßt auf deutsche Besiedlung zur Zeit der Ostkolonisation schließen, ähnlich wie die Nachbardörfer Fuchsmühl, Braunau, Gläsersdorf, Kaltwasser, Lerchenborn, während Seebnitz und Sabitz auf älteren Ursprung deuten. Unser Dorf hatte eine eigene Schule und gehörte kirchlich zu Seebnitz (evangelisch) und Kaltwasser (katholisch). Wie vielfach im Osten bestanden neben dem Rittergut nur einige wenige Bauernhöfe. Daneben gab es Stellenbesitzer mit Nebenerwerb als Handwerker oder Gutsarbeiter. Zum Dorf gehörten natürlich ein Kramladen und die Fleischerei sowie eine alte Mühle, die in den letzten Jahren nicht mehr tätig war, und ein großer Gasthof an der "Napoleonstraße", die Napoleon 1812 auf seiner Flucht aus Rußland auf dem Reisewege Warschau-Glogau-Polkwitz-Haynau-Dresden im Schlitten passierte. Er soll hier sogar übernachtet haben. Zur Gemeinde gehörten etwa 400 Einwohner. Nun noch etwas von den Gemarkungsnamen: Dr. Hugo Jungnitz in LHB 1/1960 und 8/1965
Konfirmation in der Evangelischen Kirche zu Seebnitz im Jahr 1940
|