Gemeinde Braunau
Letzte Veränderung am 19.1.2012:
Julius Süßmann
Gasthof zur Birke
Gemeinde Brodelwitz














Braunau in: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien 1939

Braunau [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 13,5 km, Post Braunau über Lüben (Schlesien) 511 Einwohner, 120 Haushalte, Flurgröße 1750 ha, 7 Gemeinderäte, Bürgermeister Hermann Hanuschke, Fernsprecher Seebnitz 7 Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Regierungsbezirk, Landgericht, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt, Schulgemeinde Braunau / Gendarmeriebezirk Seebnitz, Kreis Lüben / nächster Personen- und Güterbahnhof Braunau 0,6 km, Kleinbahn / nächste Kraftposthaltestelle Braunau (Omnibus der Reichsbahn) Vorhanden: Elektrisches Stromverteilungsnetz, 1 Volksschule, 2 Rittergüter NN 150 m

aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939

Braunau in: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien 1927 Braunau [1927]
Dorf und Gemeindebezirk Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz 475 Einwohner Gemeindevorsteher Hanuschke Gutsvorsteher Süßmann Postamt Lüben Eisenbahnstation Güterladestelle Lüben-Kotzenau Amtsgericht Lüben Landgericht Liegnitz Sparkasse und Darlehenskasse Raiffeisen Kreissparkasse Fernsprecher 10/23 Postscheckkontonummer Breslau 12665 Stadtsparkasse Lüben Elektrizitätswerk Gewerbegericht Kaufmannsgericht Reichsbankstelle Liegnitz Gewerbeamt Zollamt Lüben evangelische Kirche und Schule Fortbildungsschule
Beier, Paul, Gastwirtschaft [auf Ansichten auch Bayer geschrieben]
Dörfer, Gustav, Müllermeister
Grosser, Otto, Schmiedemeister
Hernig, Karl, Fleischermeister
Hernig, Karl, Kolonialwaren
Kaul, Robert, Bauunternehmer
Knüppel, Gustav, Stellmachermeister
Leuschner, W., Gastwirtschaft
Linke, Paul, Tischlermeister
Ressel, Gustav, Tischlermeister
Sieber, August, Schuhmachermeister
Tscharntke, Emil, Bauunternehmer
Tscharntke, Fritz, Schuhmachermeister
Umlauf, Paul, Gastwirtschaft (siehe Geschäftsanzeige)
Wehner, Anna, Mühlenbesitzerin
Wehner, Hermann, Fleischermeister
Wittig, Ernst, Kolonialwaren
Wittig, Paul, Friseur
Wunderlich, Otto, Stellmacher

aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927

Braunau auf der Kreiskarte Lüben

Braunau in: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien 1913

Braunau [1913]

Dorf + Rittergut (mit Oberhof 33 Einwohner):
Kreis Amtsgericht Lüben 11 km;
Post Amtsbezirk Standesamtsbezirk evangelisches Kirchspiel Braunau (Kreis Lüben, Schlesien);
katholisches Kirchspiel Kaltwasser;
375 +159 Einwohner

aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913



Braunau in Nachschlagewerken von 1789 und 1845

Braunau

Am Bahnhof Braunau hielt die Kleinbahn Lüben-Kotzenau. An der großen Straße Lüben-Kotzenau, bis Seebnitz die Reichsstraße 117, lag etwa 1 km vor dem Dorf Braunau waldumrauscht der Gasthof "Zur goldenen Grenzbirke". Es war ein einfacher Landgasthof, einsam gelegen, aber umgeben von den wunderbaren, tiefen Wäldern der Niederschlesischen Heide.

So klein und unbedeutend er erschien, so hatte er doch schon ein kleines Stück Weltgeschichte mit erlebt, davon kündete dem Ortskundigen der "Napoleonsweg". Er begann gegenüber der "Birke" und stellte die Verbindung zum Dorfe Spröttchen her..."

Wie haben die Braunauer ihre Heimat geliebt und wie stolz waren sie auf ihren Heimatort! Braunau, das soll hierbei erneut erwähnt werden, spielt ja in der Ahnenreihe der Familie von Braun insofern eine Rolle, als es einst namensgebend war. Zur Familie gehörte auch Wernher von Braun, der uns 1964 zu unserem Heimatkreistreffen in Nassau ein Grußwort sandte, in dem er Bezug auf den Stammsitz Braunau im Kreis Lüben nahm.

Heute soll eine kurze Wanderung durch diesen Ort angetreten werden, zu der durch Erzählung der frühere Postbeamte Herzog einiges beitrug. Die Kirche in Braunau beging 1936 ihr 100jähriges Jubiläum. Sie war einst so groß, hell und freundlich gebaut worden, so daß es noch einmal 100 Jahre später nicht anders gewesen wäre.

Wir fanden in Braunau eine Aufteilung der großen Güter; so gab es den Niederhof, Mittelhof und Oberhof, die einst einem Herrn Schwabe gehörten. Und neben der Kirche war noch eine Gruft der Familie Schwabe festzustellen. Anfangs war der Friedhof bei der Kirche und erst später wurde er etwas außerhalb des Dorfes angelegt.

Die Familie Schwabe hatte eine Tochter, die in Goldberg mit einem Priesemuth verheiratet war, aus dieser Ehe waren keine Kinder hervorgegangen. Die Familie gründete die Schwabe-Priesemuth-Stiftung in Goldberg.

Braunau: Pfarrhaus, Schloss, Post, Kirche, Schulhaus

Braunau: Pfarrhaus, Schloss, Post, Kirche, Schulhaus

Totalansicht mit Evangelischer Kirche und Beiers Gasthof

Totalansicht mit Evangelischer Kirche und Beiers Gasthof

Evangelische Kirche und Schulhaus

Evangelische Kirche und Schulhaus

Der nachfolgende Besitzer war ein Herr Schwarz, von dem man sich erzählte, daß er seine Schweinemagd geehelicht habe. Die Ehe soll nicht sehr glücklich gewesen sein, und so habe die Frau Schwarz den Pastor Weiß um Beistand gebeten. Der Ehemann Schwarz aber habe den Spieß umgedreht und alles so dargestellt, als hätte er Grund, eifersüchtig zu sein. Das habe zu dem Spruch über der Toreinfahrt geführt. Die Schrift war unleserlich, aber eine alte Karte gibt darüber Aufschluß:

"Wer Schwarz und Weiß vertragen kann,
der ist fürwahr ein Edelmann;
wer aber diese Farben scheut,
wohl gar den Treueschwur bereut,
der bleibt ein Schuft in Ewigkeit."

Andere Quellen halten den Spruch für ein Treue-Bekenntnis zu Preußen, dessen Farben Schwarz-Weiß waren.

Eingangstor zum Schloss Braunau

An der linken Torsäule ist zu lesen: Fahren, Reiten und Laufen - Durch diesen Hof - ist bei Strafe Verboten - der Gutsvorstand.

Als ich 1935 nach Hindenburg/OS. kam, lernte ich einen Grubensteiger Schwarz kennen, der ein Enkelsohn dieser Braunauer Familie Schwarz war. Ein Kapitän Schwarz, ein Sohn der gleichen Familie, war mehrmals in Braunau zu Besuch und suchte die Familiengruft auf. 1880 verkaufte Herr Schwarz den Oberhof, die Besitzer wechselten dann sehr oft.

1912 kaufte mein Vater, Wilhelm Klose, den Oberhof. Er war sehr heruntergewirtschaftet, ohne Rinder und ohne Schweine; nur alte Pferde waren vorhanden. Die erste Zeit mußte sogar Milch und Butter gekauft werden. Später baute dann mein Vater 20 Morgen Spargel an, die durch den dafür geeigneten Boden gute Erträge brachten. Es gingen Lieferungen nach Liegnitz, Haynau, Bunzlau, Löwenberg. 1937 übernahm mein Bruder das Gut, es waren 500 Morgen.

Auch der Niederhof und der Mittelhof haben ihre Besitzer oft gewechselt. 1917 kaufte Julius Süßmann* die Güter.
1935 "erwarb" Paul Hoffmann den Mittelhof mit ca. 500 Morgen, den Wald "kaufte" Oberförster Drescher, den Niederhof Herr v. Goldacker. In der Zeit der Zwangsverwaltung wurden die Güter von Herrn von Löper aus Lüben betreut.

Erika Bécu geb. Klose in LHB 9/1973

* Julius Süßmann wurde als über 70jähriger wegen seiner jüdischen Herkunft deportiert. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Sein Andenken wird auf der Holocaust-Gedenkseite Yadvashem bewahrt. Heidi R.


Braunau: Warenhandlung R. Werner, Schloss, Kirche, Pfarrhaus

Braunau: Warenhandlung R. Werner, Schloss, Kirche, Pfarrhaus

Braunau: Schule, Gasthaus zum Lindenhof, Postagentur

Braunau: Schule, Gasthaus zum Lindenhof, Postagentur

Das Innere der evang. Kirche zu Braunau

Das Innere der evang. Kirche zu Braunau.
Gut Oberhof,
Beiers Gasthaus,
Straßenpartie mit Wittigs Warenhandlung.
Gut Oberhof, Beiers Gasthaus, Straßenpartie mit Wittigs Warenhandlung