Die beiden Schlösser von Mühlrädlitz
Gemeinde Mühlrädlitz














Lithographie aus der Sammlung Duncker: Schloss Mühlrädlitz

Das Alte Schloss Mühlrädlitz nach einer Farblithographie der Sammlung Duncker, Erscheinungsjahr: 1867-1868

"Die Nachrichten über Mühlrädlitz reichen ziemlich weit rückwärts. So finden wir dasselbe um das Jahr 1500 im Besitze des George von Schwenz und in der Zeit von 1506 bis 1699, also fast während zwei Jahrhunderten im Besitze derer von Mohl. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts sehen wir den Landrath des Kreises, den Herrn von Nickisch auf Mühlrädlitz. Dann kam es an die Familie von Uechtritz und Steinkirch in deren Händen es sich noch heut befindet." (Duncker, Preußische Schlösser, Band 10, S. 570. Erscheinungsjahr: 1867-1868)

Das Alte Schloss war zuletzt nur noch als "das Gut" oder "das Dominium" bekannt. 1936 war es an 17 Siedler aufgeteilt worden. Elli Beier berichtet über das Leben der Gutsarbeiter: "In der Mitte des Dorfes war der große Gutshof. Die Gebäude waren rund um die alte Wasserburg, welche noch ganz gut erhalten war, gebaut. Zum Gut gehörten 20-22 Familien, welche auch dort Wohnung hatten. Den Sommer über kamen einige Familien des Dorfes auch auf das Gut zum Arbeiten..." (Den vollständigen Bericht finden Sie hier.)


Anfang des 20. Jhs. war jedoch schon ein neues Schloss gebaut worden. Im Jahr 1909 berichtete die Deutsche Bauzeitung XLIII. JAHRGANG. N 7. BERLIN, DEN 23. JANUAR 1909, über das neue Herrenhaus des von Jena'schen Gutes in Mühlrädlitz in Schlesien, das sogenannte Neue Schloss Mühlrädlitz. Architekt: Rudolph Zahn in Berlin.

"Das Herrenhaus des Gutes des Herrn Hauptmann v. Jena in Mühlrädlitz bei Liegnitz in Schlesien liegt abseits von dem Gehöft vor einem alten Park, gegen die Landstraße verdeckt. Aus dem letzteren Grunde hat es nicht den Charakter einer repräsentativen Schloß-Anlage erhalten, sondern ist mehr in der Art eines auf gesellschaftlichen Verkehr zugeschnittenen behaglichen Landhauses errichtet worden, bei dem jedoch Wert auf große Achsenbeziehungen gelegt ist, soweit sie das Landhaus gestattet. Die Anlage ist, wie der Grundriß zeigt, eine durchaus symmetrische und regelmäßige; sie nähert sich etwas der U-Form. Das Kellergeschoß enthält auf der Mittelachse die Heiz-Anlage mit Nebenräumen sowie Kellern, auf dem rechten Flügel die Wohnräume für Diener, Mädchen und Wirtschafterin, nebst einem Bad. Auf dem linken Flügel befinden sich die Küche mit anschließenden Vorratsräumen, ein Weinkeller sowie Waschküche mit Plättstube.

Ansicht eines Teiles der Rückfassade und der einen Seitenfassade.

Das Hauptgeschoß ist das über dem hohen Sockel sich erhebende Erdgeschoß, über welchem das Obergeschoß als Dachgeschoß lagert. Der von einer Terrasse zugängliche Haupteingang in der Mittelachse führt zunächst in einen Vorraum, an den sich rechts und links Herren- und Damengarderoben mit Klosetträumen unter dem Treppen-Podest anschließen. Nach Ablage der Kleider gelangt der Besucher in die geräumige Diele, von welcher aus in symmetrischer Anordnung zwei Treppenläufe nach dem Obergeschoß führen. Mit in die Raumwirkung der Diele einbezogen ist ein breiter Gang, an dem, gegen den Park gewendet, die Gesellschaftsräume in einer eindrucksvollen Flucht liegen; sie bestehen aus Saal, Salon, Halle, Herrenzimmer und Speisezimmer mit Anrichte usw., während gegen die Landstraße gewendet Schlaf-, Bade-, Mädchen-, Kinderspiel- und Fräulein-Zimmer liegen. Vor den Nebenräumen zum Speisezimmer und der in den linken Flügel verlegten Nebentreppe ist ein kleiner Vorraum geschaffen. Vor die drei Wohnräume des Mittelbaues lagert sich eine Terrasse mit breiter Freitreppe nach dem Garten und Park. Das Obergeschoß ist in eine Reihe von Fremdenzimmern und Nebenräumen aufgeteilt.

Teilansicht der Diele mit Kamin und Treppenaufgang

Die Vereinigung sämtlicher Wohnräume im hohen Erdgeschoß entsprach einem Wunsche des Bauherrn. Bemerkenswert ist die Anlage der Haupttreppe mit dem auf halber Geschoßhöhe sich ergebenden, durch einen erkerartigen Ausbau erweiterten Podestraum. Die Ausstattung des Äußeren erstrebt nicht mehr als den Charakter eines behaglich breit gelagerten, mit der Natur zusammengehenden, lediglich die sachlichen Bedürfnisse berücksichtigenden Landhauses größeren Stils, während das Innere in der vornehm zurückhaltenden, eigenartigen Ausbildung, bei welcher gewähltes Holz und ein bescheidener Schmuck an plastischen Verzierungen an Wänden und Decken verwendet wurden, den herrschaftlichen Charakter des Wohnhauses widerspiegelt."

Neues Schloss

Neues Schloss Mühlrädlitz

Eine Ansichtskarte vom Schloss, die Erika Strautmann 1921 aus Mühlrädlitz nach Berlin schrieb.