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Mühlrädlitz [1939]
Gemeinde, Kreis Lüben, 12,5 km, Post Mühlrädlitz, mit Ortsteil Ischerey, 924 Einwohner, 217 Haushalte, Flurgröße 1263 ha, 5 Gemeinderäte, Bürgermeister Otto Seidel, Fernsprecher Mühlrädlitz 21, Landratsamt, Finanzamt, Amtsgericht, Versicherungsamt, Landkrankenkasse, AOK Lüben / Regierungsbezirk, Landgericht, Arbeitsgericht, Versorgungsamt Liegnitz / Arbeitsamt Liegnitz, Nebenstelle Lüben / Standesamt, Schulgemeinde, Gendarmeriebezirk Mühlrädlitz / nächster Personen-, Güterbahnhof Vorderheide 7,8 km. Vorhanden: Elektrisches Stromverteilungsnetz, 1 Volksschule

Ischerey [1939]
Ortsteil, Gemeinde Mühlrädlitz, Kreis Lüben, Post Mühlrädlitz, 913 Einwohner, nächster Personenbahnhof Vorderheide 7,8 km, nächster Güterbahnhof Vorderheide (3mal wöchentlich Reichsbahn-LKW-Verkehr bis Mühlrädlitz)
Aus: Alphabetisches Verzeichnis der Stadt- und Landgemeinden im Gau Niederschlesien mit den dazugehörigen Ortsteilen, Kolonien, Siedlungen usw., Kurt-Gruber-Verlag Wirtschaft Recht, Dresden, 1939 |
Aus dem "Deutschen Reichs-Adressbuch" für Industrie, Gewerbe und Handel, Berlin 1933
Mühlrädlitz. Dorf, Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis und Amtsgericht Lüben, Landgericht Liegnitz, Handelskammer Liegnitz. 697 Einwohner. Eisenbahn (7 km) Vorderheide. Evangelische Kirche.
Ärzte: Wernicke, F.
Bäcker: Kätzler, P. - Schreiber, P.
Bankgeschäfte: Spar- und Darlehnskassen-Verein eGmbH.
Baugeschäfte: Priebusch, H.
Böttcher: Stütze, Heinrich.
Dachdeckungsgeschäfte: Knobloch, M. - Vogt, H.
Fahrradhandlung s. Schmiede.
Fleischer: Thiel, W.
Friseure: Zingler, Artur.
Gartenbaubetr.: Gronenberg, Otto.
Gasthöfe: Kuche - Ludwig, W. - Seidel - Staar, Alfred in Petschkendorf.
Gemischtwaren: Heidrich, Wilhelm - Ludwig, W.
Kartoffeltrocknungsbetrieb (Flocken): Rittergut Mühlrädlitz.
Klempner: Giersch, W.
Sattler: Winter, Willi.
Schmiede: Lindner, August.
Schneider, Ludwig, P.
Schuhmacher: Müller, Hugo.
Tischler: Humpich, Reinhold. |

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Mühlrädlitz [1927]
Dorf und Gemeindebezirk Kreis Lüben Regierungsbezirk Liegnitz 700 Einwohner Gemeindevorsteher Lindner Eisenbahnstation Mühlrädlitz Eisenbahnstation und Güterladestelle Vorderheide Entfernung 8 km Amtsgericht Lüben Landgericht Liegnitz Elektrizitätswerk Rittergut Mühlrädlitz (Kraft und Licht 220 Volt) Finanzamt Zollamt Lüben evangelische Kirche und Volksschule Fortbildungsschule
zugehörig: Gemeindebezirk Ischerey
Adolph, Ernst, Schuhmachermeister
Gronnenberg, Otto, Gärtnerei
Heidrich, Wilhelm, Kolonialwaren
Heinsch, Reinhold, Dachdeckermeister
Hoffmann, Arthur, Maurermeister
Hoffmann, Paul, Müllermeister
Humprich, Reinhold, Tischlermeister
Jeltsch, Paul, Stellmachermeister
Kaßner, Ernst, Dachdeckermeister
Kätzler, Anna, Bäckerei
Kellert, Hermann, Schuhmachermeister
Kleinert, Paul, Malermeister
Leopold, Paul, Schmiedemeister
Lindner, August, Schmiedemeister Fernsprecher 12, Postscheckkonto 2758 Breslau
Ludewig, Willi, Gasthof
Ludwig, Paul, Schneider
Müller, Hugo, Schuhmachermeister
Münster, Paul, Zimmermeister
Reinsch, Hermann, Pferdehändler
Scholz, Heinrich, Korbmachermeister
Schreiber, Paul, Bäckermeister
Seidel, Karl, Gasthof
Stolz, Ludwig, Schuhmachermeister
Stütze, Heinrich, Böttchermeister
Thiel, Wilhelm, Fleischermeister Fernsprecher 11
Vogt, Hermann, Dachdeckermeister
Wernicke, Friedrich, Dr. med., Arzt
Winter, Willi, Sattlermeister
Zingler, Artur, Friseur
aus: Amtliches Landes-Adressbuch der Provinz Niederschlesien für Industrie, Handel, Gewerbe, Verlag August Scherl, Breslau, 1927 |

 Mühlrädlitz in Nachschlagewerken von 1789 und 1845
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Mühlrädlitz [1913]
Dorf + Rittergut (mit Forsthaus und [Kartoffelflocken-]Fabrik): Kreis Amtsgericht Lüben 10 (Fabrik 11) km; Post Amtsbezirk Standesamtsbezirk evangelisches Kirchspiel Mühlrädlitz (Kreis Lüben, Schlesien); katholisches Kirchspiel Parchwitz; Eisenbahnstation Vorderheide 8 km; 513 + 183 Einwohner
Ischerey [1913]
Kolonie + Vorwerk [Mühlrädlitz]: Kreis Lüben 10 km; Post Mühlrädlitz (Kreis Lüben, Schlesien) 2 km; Eisenbahnstation Bielwiese 4 km; [66 + 53 Einwohner]
aus: Alphabetisches Verzeichnis sämtlicher Ortschaften der Provinz Schlesien, Verlag Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1913 |
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Mühlrädlitz 1903. Ein Vergleich mit anderen Ansichten zeigt, dass links unten wohl auch Seidel's Gasthaus abgebildet ist. |

Mühlrädlitz: Eduard Hagenloch's Gasthof, Kriegerdenkmal, Försterei, Beamtenhaus. Dank an Tomasz Mastalski!

Mühlrädlitz: Artur Ende's Warenhandlung, Schloss, Siedlung, Kirche und Schule

Neues Schloss wurde es genannt, zur Unterscheidung zu dem ganz unten gezeigten Schloss aus dem 15. Jahrhundert.

Mühlrädlitz 1910: Kirche, Schloss, J. Schneider's Fleischerei, Hermann Priemel's Gasthaus

Karl Seidel's Gasthaus mit Federsaal (Die Erklärung für den "Federsaal" gibt Elli Beier in ihren Erinnerungen!), Evangelische Kirche und Schule

Ischerey: Kuche's Gasthaus 'Zur grünen Eiche', Schloss, Partie am Dorfteich und Dorfstraße. Mit einem herzlichen Dank an Walter Kuche! |
Mühlrädlitz
Unser liebes Heimatdorf Mühlrädlitz ist in weite Wälder eingebettet, Kiefernwälder mit dem vertrauten Duft von Harz und Pilzen, Tannen- und Eichenwälder, die schönen lichten Birken umsäumen Wiesen und Felder. Wenn wir aus Richtung Vorderheide daherkamen, grüßten uns schon von weitem der Turm unserer lieben alten Kirche und rechts der kleine Turm der Richterschen Villa "auf der Fabrik", einer ehemaligen Kunstwollfabrik, in einem wunderschönen Park gelegen. Hoffmanns Windmühle und der hohe Schornstein der Kartoffelflockenfabrik ragten über die Häuser hinaus. Links und rechts sahen wir die schönen Fachwerkbauten der Siedlungshäuser und inmitten des Dorfes neben der Kirche das Schulhaus, das auch die Kinder aus Ischerey zum Unterricht aufnahm.
Das neue Schloß war in den letzten Jahren Müttererholungsheim geworden und das alte Schloß - früher von einem Burggraben umgeben - diente Wohnzwecken. Bei einem Spaziergang kamen wir an den Häusern von Bäcker Kätzler, Sattlerei Winter, Fleischer Spahl, Gasthaus Seidel-Hagenloch, der Post, der Schule, dem "Doktorhaus" vorbei...
Helene Philipp in LHB 10/1954
Der Ortsname Mühlrädlitz mag wohl dadurch entstanden sein, daß in dem Dorf vier Mühlen waren. In unserem Gemeindesiegel war ein Mühlenrad eingraviert. Zu meiner Jugendzeit waren die zwei Windmühlen und zwei Wassermühlen noch in Betrieb, die Wassermühlen wurden im Laufe der Jahre außer Betrieb gesetzt, eine Windmühle wurde abgebrochen, so daß nur eine noch arbeitete.
Die Gesamtfläche unseres Dorfes betrug über 1000 ha, davon war reichlich die Hälfte Acker und Wiesen, die andere Hälfte Wald, meist Kiefernwaldungen. Das Dorf war rund gebaut, in der Mitte stand die Kirche. Die Einwohnerzahl belief sich auf 750 Personen. Im Dorf gab eine Kunstwoll- und Kartoffelflockenfabrik vielen Arbeit. 1936 wurde das Rittergut, jetzt Dominium genannt, gesiedelt. Acker und Wiesen wurden für 17 Siedlungen gegeben. Das neue Schloß mit anschließendem Park und der gesamte Waldbestand wurden von einem Herrn Hoppe erworben.
Unsere Kirche soll von einem Ritter David von Mohl, der bis in den 30jährigen Kriege hinein Besitzer des Rittergutes Mühlrädlitz war, erbaut worden sein. Sie ist aus gewöhnlichen Feldsteinen, mit einer Mauerstärke bis zu einem Meter, errichtet. Unter der Kirche befindet sich eine Gruft. An der Ostseite des Giebels betritt man diese; dort wurde eine Halle angebaut, wodurch der Eingang zur Gruft hergestellt wurde. Die Halle ist mit einer großen, eisernen Tür verschlossen. Herr von Mohl ist im 30jährigen Kriege im Kampf gegen die Böhmen gefallen. Am südlichen Ende des Dorfes steht ein über ein Meter hohes Steinkreuz, das die Stelle bezeichnet, wo er sein Leben ließ. Von ihm und seiner Gattin ist ein in Stein gehauenes Bildnis in der Kirche aufgestellt. Es befindet sich an der Wand am Eingang zur Sakristei.
Unsere Kirche hatte zwei Glocken, wovon die größere rundherum eine vier Zeilen lange Inschrift trug. Diese Glocke war von einer Frau von Nostiz gestiftet worden. Und diese Glocke mußten wir im letzten Kriege abliefern. Unser letzter Geistlicher war Pastor Haim...
Wilhelm Rosemann in LHB 22/1955
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Mühlrädlitzer Kindergartenkinder an der Hoffmann-Mühle (1941) 1) Marie-Luise Fechner, genannt Liesel, (1937-1983), 2) Loni Märschel. Wer erkennt weitere Kinder?

Wilhelm Heidrich's Warenhandlung, Neues Schloß, Schule, evang. Kirche |
Die Glocke von Mühlrädlitz lebt!
Ich habe im Deutschen Glockenarchiv im Germanischen Museum in Nürnberg angefragt, ob ich evtl. Unterlagen, Fotos oder ähnliches über unsere Glocken von Mühlrädlitz bekommen könnte. Umgehend bekam ich Fotokopien von unserer Glocke, die wir 1943/44 zum Einschmelzen abgeben mußten. Sie zeigen zwei Wappen der damaligen Eigentümer des Gutes Mühlrädlitz, Herr v. Mohl und seiner Gattin geb. Müchelin.
Meine weiteren Nachforschungen ergaben, daß die Glocke nach dem Krieg in die Obhut des Landeskirchenamtes Stuttgart gegeben wurde. Jetzt habe ich sie gefunden! Die Glocke aus Mühlrädlitz trägt die Jahreszahl 1667 und ertönt heute im Geläut der evangelischen Kirche in Lampoldshausen, 74293 Hardthausen. Das ist das schönste Geschenk im Jahr 1996 für mich und alle Mühlrädlitzer Heimatfreunde. Wir werden unsere Glocke baldmöglichst besuchen. Freuen Sie sich mit uns!
Walter Kuche in LHB 4/1996 |
Blick ins Innere der Evangelischen Kirche zu Mühlrädlitz

Kirche, Altes Schloß, darunter: Neues Schloß Paul Sindermanns Warenhandlung und Post |
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"Die Nachrichten über Mühlrädlitz reichen ziemlich weit rückwärts. So finden wir dasselbe um das Jahr 1500 im Besitze des George von Schwenz und in der Zeit
von 1506 bis 1699, also fast während zwei Jahrhunderten im Besitze derer von Mohl. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts sehen wir den Landrath des Kreises, den
Herrn von Nickisch auf Mühlrädlitz. Dann kam es an die Familie von Uechtritz und Steinkirch in deren Händen es sich noch heut befindet."
(Duncker, Preußische Schlösser, Band 10, S. 570) |
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