Kann jemand Abbildungen der genannten Wassermühlen zur Verfügung stellen?
Die Wassermühlen an der "Kalten Bache"
von der Quelle bis nach und in Lüben
Meine Geburtsheimat war die "Kleine Mühle" bei Oberau und deshalb will ich heute all die vertrauten Mühlen aus einer besinnlicheren Zeit vorüberziehen lassen.
Ein Arm der Kalten Bache entspringt etwa 10 Minuten oberhalb der Kleinen Mühle aus mehreren Quellen im Walde des Gutes Mittel-Oberau. An ihr lagen bis nach Lüben in Abständen von 10 Minuten sieben Wassermühlen.
Die erste war die Kleine Mühle, damaliger Besitzer Paul Exner. Als Müllermeister hatte er seine Mühle bis 1900 in Betrieb, als um diese Zeit die Große Stadtmühle an der Steinauer Straße außer der Wasserkraft der Kalten Bache noch mit Dampfkraft betrieben wurde. Die meisten Landwirte aus Oberau nahmen sonnabends zum Wochenmarkt ihr Getreide mit nach Lüben und tauschten es dann in der Großen Stadtmühle in Mehl und Futtermittel um. Dadurch kam der Müllerei-betrieb in der Kleinen Mühle zum Erliegen. Die Wasserkraft wurde nur noch zum Dreschen und Futterschneiden genutzt.
Das Wasser der Kalten Bache war sehr kalt. Es fror jedoch oberhalb der Kleinen Mühle selbst im strengsten Winter nicht ein. Die Kleine Mühle stand am öffentlichen Verbindungsweg Oberau-Polkwitzer Chaussee-Stadtziegelei-Rinnersdorf. Wer da längs der Kalten Bache einen Spaziergang unternahm, suchte auch dieses schöne Fleckchen auf, das von Laubwald-gebüsch umgeben ist. Im Sommer erfreuten uns immer drei Nachtigallen mit ihrem Gesang. Dicht neben der Mühle lag der sogenannte Exner-Teich, dessen Wasser zum Mühlenbetrieb mitbenutzt wurde, aber zum Gut Mittel-Oberau gehörte. Die Oberauer vergnügten sich oft in ihm beim Baden.

1916 verkaufte mein Vater krankheitshalber die Mühle an den Grafen von Ballestrem/Ober-Gläsersdorf, der 1912 die Güter Mittel- und Nieder-Oberau von der Gräfin Stolberg erworben hatte. Graf Ballestrem ließ in der Mühle eine Wohnung für seinen Förster einrichten. Das Wasserrad aber blieb zum Andenken in der ursprünglichen Lage. Im Oberstock der Mühle wurde ein großes Jagdzimmer ausgebaut, von wo man einen schönen Blick auf den Teich hatte. In diesem Zimmer versammelte sich stets die Jagdgesellschaft zum Jagdfrühstück.
Die zweite Mühle war die Schindel-Mühle, die damals August Schubert gehörte. Ich habe diese als Mühle schon nicht mehr gekannt, sie muß in den 1880er Jahren eingestellt worden sein. Der Besitzer widmete sich nur der Landwirtschaft. Das Grundstück wurde gleichfalls im Jahre 1916 vom Grafen von Ballestrem übernommen, da es, wie auch die Kleine Mühle, inmitten seiner Gutsdomäne lag.
In der Luftlinie Oberau-Oberförsterei lag die Fiebig-Mühle, Inhaber war Stadtverordneter und Mühlenwerkführer Wilhelm Obst. Als Mühlengrundstück ist es mir aus den 1890er Jahren noch gut bekannt. Nach dem Tode des Besitzers wurde die dazu gehörige Landwirtschaft in Parzellen verkauft. Die Mühle mit den landwirtschaftlichen Gebäuden erwarb etwa 1900 der Bauer Hermann Weidner aus Oberau, der sie dann abriß.
Über die Bache gab es dort keine Brücke, die Fuhrwerke mußten deshalb den Weg durch eine Furt passieren. Für die Fußgänger war ein Laufsteg von Brettern vorhanden, 10 Minuten weiter, in Richtung Lüben, kam man zur Sperlings-Mühle, dazu gehörte noch ein Sägewerk. Dieses Eigentum kaufte die Heil- und Pflegeanstalt dem Besitzer Hein beim Bau der Anstalt ab.
Dicht vor der Bahnstrecke stand die Arme-Leute-Mühle, in der Nähe des Turnplatzes die Dienst-Mühle oder Kleine Stadtmühle (früher Breitermühle). An der Steinauer Straße folgte die Große Stadtmühle, die, wie schon erwähnt, seit etwa 1900 zusätzlich mit Dampfkraft arbeitete. Vor der Roßschlächterei Hensler stadtauswärts stand die Gürke-Mühle.
Wilhelm Exner, LHB 15/1955