Wassermühlen im Kreis Lüben
Kreis Lüben














In früheren Zeiten gehörten zu jedem Wasserlauf Wassermühlen, die als Mahlmühlen Getreide verarbeiteten oder als Sägewerke Holz schnitten. Im Lübener Raum lagen am Oberauer Wasser die nach ihrem Besitzer Exnermühle genannte Kleine Mühle und die Schindelmühle. In dem Mühlteich haben sicherlich viele von uns noch gebadet. Unterhalb lag dann die Sperlingsmühle, deren Betrieb mit der Errichtung der Heilanstalt eingestellt wurde (siehe Anekdote von Arnold Weidner). Ihr Mühlgraben diente schließlich nur noch zur Speisung der Militärbadeanstalt. Bei Guhlau, in der Nähe der Bahnlinie, lagen die Guhl- und die Schloßmühle, an denen oft der Sonntagsspaziergang vorbeiführte. Unterhalb von Lüben stieß man bei Muckendorf auf die Walkemühle und bei Schwarzau auf die Schwarzauer Mühle. Besonders bekannt war die Talke-Mühle in Ossig. Sicherlich gab es früher auch oberhalb von Dittersbach eine Mühle. An sie erinnert noch der Name der Försterei Wolfsmühle. Schließlich sei hier noch die Gehegemühle zwischen Mlitsch und Talbendorf erwähnt. Am Raudtener Wasser fanden wir zwischen Mlitsch und Alt-Raudten die Höllmühle, in Jauschwitz die Damm- und die Jauschwitzer Mühle, in Pilgramsdorf die Graupen- und die Glatzmühle, in Raudten die Neumühle und an der Kreisgrenze bei Klein-Gaffron die Heidemühle.

Diese große Zahl von Wassermühlen im Raum Lüben und Raudten ist darauf zurückzuführen, daß die Bäche, die in den Ausläufern des Katzengebirges entspringen, meistens ein großes Gefälle haben und sich damit recht einfach Mühlbäche ableiten lassen. Die Sprotte dagegen als typischer Flachlandfluß hat so wenig Gefälle, daß sich Mühlgräben oder Mühl-staue nur mit großen Unkosten anlegen lassen, weshalb es an diesem Wasserlauf nur sehr wenige Mühlen gab, z. B. in Herbersdorf und Parchau. J. G. Knie erfasst in seinem Buch im Jahr 1845 insgesamt 74 Wassermühlen im Kreis Lüben!

Rudolf Schröther, LHB 5/6/1979

Wassermühlen an den Raudtener Wassern Wassermühlen an der Kalten Bache Wassermühlen am Mühlbach

Kann jemand Abbildungen der genannten Wassermühlen zur Verfügung stellen?

Die Wassermühlen an der "Kalten Bache"
von der Quelle bis nach und in Lüben

Meine Geburtsheimat war die "Kleine Mühle" bei Oberau und deshalb will ich heute all die vertrauten Mühlen aus einer besinnlicheren Zeit vorüberziehen lassen. Ein Arm der Kalten Bache entspringt etwa 10 Minuten oberhalb der Kleinen Mühle aus mehreren Quellen im Walde des Gutes Mittel-Oberau. An ihr lagen bis nach Lüben in Abständen von 10 Minuten sieben Wassermühlen.

Die erste war die Kleine Mühle, damaliger Besitzer Paul Exner. Als Müllermeister hatte er seine Mühle bis 1900 in Betrieb, als um diese Zeit die Große Stadtmühle an der Steinauer Straße außer der Wasserkraft der Kalten Bache noch mit Dampfkraft betrieben wurde. Die meisten Landwirte aus Oberau nahmen sonnabends zum Wochenmarkt ihr Getreide mit nach Lüben und tauschten es dann in der Großen Stadtmühle in Mehl und Futtermittel um. Dadurch kam der Müllerei-betrieb in der Kleinen Mühle zum Erliegen. Die Wasserkraft wurde nur noch zum Dreschen und Futterschneiden genutzt.

Das Wasser der Kalten Bache war sehr kalt. Es fror jedoch oberhalb der Kleinen Mühle selbst im strengsten Winter nicht ein. Die Kleine Mühle stand am öffentlichen Verbindungsweg Oberau-Polkwitzer Chaussee-Stadtziegelei-Rinnersdorf. Wer da längs der Kalten Bache einen Spaziergang unternahm, suchte auch dieses schöne Fleckchen auf, das von Laubwald-gebüsch umgeben ist. Im Sommer erfreuten uns immer drei Nachtigallen mit ihrem Gesang. Dicht neben der Mühle lag der sogenannte Exner-Teich, dessen Wasser zum Mühlenbetrieb mitbenutzt wurde, aber zum Gut Mittel-Oberau gehörte. Die Oberauer vergnügten sich oft in ihm beim Baden.

Wassermühle in Polach

1916 verkaufte mein Vater krankheitshalber die Mühle an den Grafen von Ballestrem/Ober-Gläsersdorf, der 1912 die Güter Mittel- und Nieder-Oberau von der Gräfin Stolberg erworben hatte. Graf Ballestrem ließ in der Mühle eine Wohnung für seinen Förster einrichten. Das Wasserrad aber blieb zum Andenken in der ursprünglichen Lage. Im Oberstock der Mühle wurde ein großes Jagdzimmer ausgebaut, von wo man einen schönen Blick auf den Teich hatte. In diesem Zimmer versammelte sich stets die Jagdgesellschaft zum Jagdfrühstück.

Die zweite Mühle war die Schindel-Mühle, die damals August Schubert gehörte. Ich habe diese als Mühle schon nicht mehr gekannt, sie muß in den 1880er Jahren eingestellt worden sein. Der Besitzer widmete sich nur der Landwirtschaft. Das Grundstück wurde gleichfalls im Jahre 1916 vom Grafen von Ballestrem übernommen, da es, wie auch die Kleine Mühle, inmitten seiner Gutsdomäne lag.

In der Luftlinie Oberau-Oberförsterei lag die Fiebig-Mühle, Inhaber war Stadtverordneter und Mühlenwerkführer Wilhelm Obst. Als Mühlengrundstück ist es mir aus den 1890er Jahren noch gut bekannt. Nach dem Tode des Besitzers wurde die dazu gehörige Landwirtschaft in Parzellen verkauft. Die Mühle mit den landwirtschaftlichen Gebäuden erwarb etwa 1900 der Bauer Hermann Weidner aus Oberau, der sie dann abriß.

Über die Bache gab es dort keine Brücke, die Fuhrwerke mußten deshalb den Weg durch eine Furt passieren. Für die Fußgänger war ein Laufsteg von Brettern vorhanden, 10 Minuten weiter, in Richtung Lüben, kam man zur Sperlings-Mühle, dazu gehörte noch ein Sägewerk. Dieses Eigentum kaufte die Heil- und Pflegeanstalt dem Besitzer Hein beim Bau der Anstalt ab.

Dicht vor der Bahnstrecke stand die Arme-Leute-Mühle, in der Nähe des Turnplatzes die Dienst-Mühle oder Kleine Stadtmühle (früher Breitermühle). An der Steinauer Straße folgte die Große Stadtmühle, die, wie schon erwähnt, seit etwa 1900 zusätzlich mit Dampfkraft arbeitete. Vor der Roßschlächterei Hensler stadtauswärts stand die Gürke-Mühle.

Wilhelm Exner, LHB 15/1955


Die Heidemühle

Eine idyllisch gelegene Wassermühle mit Gastwirtschaft, großem Garten und Kegelbahn in unmittelbarer Nähe ausgedehn-ter Waldungen direkt an der Grenze zum Kreis Lüben (siehe Karte oben). Die Nachbarortschaften waren Lindenbach (Kreidelwitz) und Roggenfelde (Rietschütz) im Kreis Glogau und Klein Gaffron im Kreis Lüben. In der Heidemühle hatte der Besucher die Möglichkeit, inmitten der Natur neue Kraft für den Alltag zu schöpfen. Die Gastwirtschaft war auch durch ihre guten Speisen und Getränke bekannt. Der Besitzer hatte noch ca. 16 ha Landwirtschaft (Acker, Wiese und Wald), die er mit seiner fünfköpfigen Familie bewirtschaftete; die Wassermühle lag am Raudtener Wasser. Ein besonderer Anziehungspunkt war das Wasserrad mit dem oberschlächtigen Wassereinlauf in die Schaufeln des Rades.

Gruß von der Heidemühle an der Kreisgrenze Lüben im Jahr 1890

Das Rad erzeugte bei entsprechender Wassermenge bis zu 20 PS. Über Transmissionen sind die technischen Einrichtungen - Walzen, Quetschstuhl und Mahlgänge - in den Etagen der Mühle in Betrieb gesetzt worden. Bauern aus der Umgebung brachten ihre Körner zum Mahlen, Schroten und Quetschen zur Mühle. Ständige Gäste aus Glogau fuhren entweder mit der Bahn bis Lindenbach oder mit dem Fahrrad zur Heidemühle. Aus der Umgebung wanderten viele auf Wald- und Feldwegen dorthin. Wartezeiten nutzte man zu einem Umtrunk mit dem Müllermeister in der Gaststube.

Auch öffentliche Tanzveranstaltungen mit idyllischer Beleuchtung im Saal fanden statt. Höhepunkt im Jahr war an Himmelfahrt der "Heiratsmarkt". Da strömten die Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder der Kutsche bis aus den benachbarten Kreisen Wohlau, Guhrau und Lüben zur Heidemühle. Auf der Wiese standen der Tanzboden und einige Buden. Im Saal und Garten waren alle Tische besetzt. Schon aus der Ferne war die Blasmusik zu hören. Bei schönem Wetter konnte der "Heidemüller" manchmal nicht schnell genug für Biernachschub sorgen. Viele Bekanntschaften und auch Ehen hatten ihren Beginn in der Heidemühle.

Der älteste Hinweis auf die Heidemühle - soweit mir bekannt - stammt vom 20. Februar 1319. Darin bestätigen Heinrich und Primko, Herzöge von Schlesien und Herren von Glogau, daß Pater Hofer, Bürger von Glogau, zu seinem Seelenheile seine Mühle, ehemals Eigentum des Weiland Woycech de Cridlewicz, der Marienkirche bei Glogau geschenkt hat. Damit ist die Heidemühle am Raudtener Wasser gemeint (Quelle Pastor Hermann Söhnel, Raudten. aus: "Altertumsverein Steinau"). Im Januar/Februar 1945 tobten in Klein Gaffron erbitterte Kämpfe. Zehn Tage lang wurde das Dorf umkämpft. Dabei wurde auch die Heidemühle nicht verschont. 1979 suchte ich nach ihr. Nur an den Bäumen und Sträuchern konnte ich den Platz finden. Dort fand ich am ausgetrockneten Graben den zerbrochenen Mühlstein.

Einige Kriege hat die Heidemühle überstanden. Immer wieder wurde sie instandgesetzt. Doch 1945 war ihr Ende und der letzte Besitzer Henschel mit seiner Familie wurde vertrieben. Ihre Nachkommen leben heute im Raum Kassel und im Sauerland. Mit diesem Bericht soll die Mühle in Erinnerung bleiben.

Fritz Seidel, LHB 6/1998

Wassermühle Kaltwasser, 1939 abgerissen

Die alte Wassermühle in Kaltwasser/Krs. Lüben (abgebrochen 1939)

Aus schattig-kühlem Grunde,
Verödet - wettergrau -
Ragt aus entschwundenen Zeiten,
Ein alter Fachwerkbau.
Still liegt der Mühlenweiher.
Es raunt in Schilf und Rohr.
Kein Rauschen mehr und Klappern -
Geschlossen ist das Tor.
Leis murmelnd fließt dem Graben,
Das "kalte Wasser" zu,
Das Mühlrad ist verschwunden,
Der Müller hat nun Ruh...
Quelle: Heimatkalender Lüben 1942
Die übrigen Strophen preisen "die neue Zeit"...