Hans-Werner Jänsch: "80 Jahre Lübener Gymnasium"
Die Lehrkräfte von Hans Werner Jänsch














Die Lehrkräfte

Da haben wir als Schüler nun jahrein, jahraus täglich eine erkleckliche Anzahl von Stunden gemeinsam mit unseren Lehrern in der Schule zugebracht, meist respektvoll, bisweilen wohl auch ein wenig ängstlich zu ihnen aufgeschaut, mit ihnen geredet, gescherzt und gelacht oder auch schon mal verdrießlich über sie gemurrt und doch von ihnen, ihren persönlichen Werdegängen, Sorgen und Nöten nur wenig gewußt. Wen wundert es da, wenn das Überlieferte kaum ausreicht, wenigstens die Lebensläufe der wenigen bruchstückhaft nachzuzeichnen, die als Stammkräfte durch ihre lange Zugehörigkeit zum Kollegium das Gesicht und den Geist der Schule entscheidend mitgeprägt haben.

Bei allen anderen müssen wir uns mit einer - leider auch nur lückenhaften - Übersicht über die wichtigsten Daten begnügen. Die Übersicht kann auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Nach so vielen Jahren des Abstandes und bei der zeitweilig starken Fluktuation der Lehrkräfte war allein aus dem Gedächtnis eine lückenlose Rekonstruktion aller Namen nicht mehr möglich.

Oft ist in den letzten Jahren die Frage laut geworden, ob wohl noch ehemalige Lehrkräfte unserer Schule am Leben sind. Der Versuch, Gewißheit zu schaffen, ist jedoch immer unterblieben. Erst jetzt, im Zuge der Materialbeschaffung für diese Dokumentation, sind gezielt Nachforschungen angestellt worden, - und sie hatten Erfolg. In Hersbruck in der Nähe von Nürnberg verbringt der Studienrat (jetzt: Professor-Studiendirektor a. D.) Walter Kozmiensky seinen Lebensabend. Nach der Flucht war er am Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg tätig, daneben an der Wirtschaftsakademie und als Beigeordneter Prüfer für das Staatsexamen an der Universität Erlangen. In Lüben gab er Französisch, Englisch und Sport. Am 11. Juni 1988 vollendet er sein 83. Lebensjahr.

OStDir Hassel und StRt Kozmiensky, 1942 auf dem kl. Exerzierplatz

OStDir Hassel und StRt Kozmiensky,
1942 auf dem kl. Exerzierplatz


Studiendirektor Erich Tscharntke

Erich Tscharntke wurde geboren am 21. August 1882 in Lüben als Sohn des späteren Oberbahnhofsvorstehers Rudolf Tscharntke und seiner Frau Elise, geb. Weißig. Nach dem Besuch mehrerer Dorfschulen kam er auf das Gymnasium in Sagan. Dort legte er die Abiturprüfung ab.

In Breslau studierte er Mathematik, Physik, Chemie und Mineralogie. Später erwarb er noch die Fakultas in Geographie. 1907/08 war er als Kandidat des höheren Lehramtes am Auguste-Viktoria-Gymnasium in Posen und ab 1. April 1909 als Oberlehrer an der Realschule in Schwerin a. d. Warthe angestellt.

1909 heiratete er Margarete geb. Sturm, die aus Breslau stammte. 1912 wurde er an die Oberrealschule nach Bromberg versetzt.

Erich Tscharntke

Erich Tscharntke

Am 29. Februar 1916 mußte er als Landsturmmann einrücken und kam zur Ausbildung nach Königsberg zum 1. Grenadier-Regiment Kronprinz. Bei den Kämpfen in Rumänien wurde er schwer verwundet durch Gelenkschuß über der rechten Hand. Sieben Operationen bei hohem Fieber mußte er erdulden. 15 Monate währte der Aufenthalt in den Lazaretten Ulm und Bromberg.

Ostern 1918 nahm er die Berufung nach Lüben als Direktor des Realgymnasiums und Leiters des städtischen Alumnats an. Während seiner Dienstzeit wurde die Schule in ein Reformrealgymnasium umgewandelt. Neben seinen Chefaufgaben erteilte er Unterricht in Mathematik, Chemie und Physik. Er war ein gestrenger, aber gerechter Pädagoge.

In Lüben bewohnte die Familie Tscharntke die sehr schöne Dienstwohnung neben dem Gymnasium. Hier wurden zu den beiden ersten Kindern Günther (1910) und Mechthild (1914) noch drei Kinder geboren: Wolfgang (1918), Reinhart (1923) und Ilse (1930). In Lüben verbrachte die Familie 16 glückliche Jahre.

Am 1. Juni 1934 wurde Erich Tscharntke als Leiter der evangelischen Oberrealschule am Nicolaitor nach Breslau berufen, die zu dieser Zeit bereits Adolf-Hitler-Schule hieß.

Ende Januar 1945 floh die Familie bei der Räumung Breslaus nach Wunstorf bei Hannover und erlitt wie fast alle Schlesier das Schicksal des Verlustes der Heimat und aller Besitztümer. Schwere Notjahre schlossen sich an. Nach und nach kehrten die Söhne aus der Gefangenschaft heim, und der Wiederaufbau begann. Nach acht Jahren im Notquartier konnte das Ehepaar Tscharntke eine nette kleine Wohnung beziehen. Dort verbrachte es noch geruhsame glückliche Jahre und konnte auch das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Am 1. August 1967 zog das Ehepaar in eine Alterspension in Bad Eilsen, wo Herr Tscharntke am 28. Dezember 1967 verstarb. Seine Frau folgte ihm am 24. März 1970.

Studiendirektor Tscharntke war als Nachfolger von Dr. Caspari der zweite Schulleiter des Lübener Gymnasiums.


Oberstudiendirektor Erwin Vetter

Der dritte und letzte Schulleiter, Oberstudiendirektor Vetter, wurde am 19. Juli 1888 in Lauban geboren. Dort besuchte er von 1894 bis 1899 die Bürgerschule, anschließend das Gymnasium und legte 1908 das Abitur ab.

Von 1908 bis 1914 studierte er Germanistik, Geschichte und alte Sprachen in Göttingen, Berlin und Halle, wo er im April 1914 sein Staatsexamen bestand. Danach leistete er bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges Vorbereitungsdienst am Gymnasium in Gleiwitz.

Am Krieg nahm er als Freiwilliger vom Anfang bis zum Ende teil. Als Leutnant der Reserve kehrte er heim und setzte den Vorbereitungsdienst am Reformrealgymnasium Görlitz bis zum 2. Staatsexamen im Juni 1919 fort. Nachdem er zunächst in Neiße als Vertreter eingesetzt war, wurde er am 1. September 1919 an das Realgymnasium Lüben berufen.

Am 29. September 1919 heiratete er seine ebenfalls aus Lauban stammende Frau Hanna geb. Müller. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, die 1920 geborene Edeltraut und die 1921 geborene Ilse.

Am 1. April 1926 wurde Erwin Vetter zum Studienrat ernannt und am 14. März 1935 unter Ernennung zum Oberstudiendirektor neuer Leiter des Lübener Gymnasiums. Seine Unterrichtsfächer waren Deutsch, Geschichte, Religion, Latein und Erdkunde. Neben seinem Beruf widmete er sich gesellschaftlichen Aufgaben. So stellte er sich für die Volksabstimmung in Oberschlesien (20. März 1921) als ehrenamtlicher Helfer zur Verfügung, gründete 1925 zusammen mit Gleichgesinnten die Lübener Ortsgruppe des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland (VDA) und pflegte und förderte die Schulgruppen dieses Vereins. Bis 1933 war er Schriftführer des Bürgervereins und von 1929 bis 1933 als Ratsherr für die Referate Promenaden, Berufsschule und Stromversorgung zuständig. Schließlich versah er 1933/34 kommissarisch das Amt des Bürgermeisters.

Der zutiefst vaterländisch gesinnte Pädagoge genoß innerhalb und außerhalb der Schule hohe Achtung und Anerkennung. Den Damen und Herren des Kollegiums war er ein lauterer und loyaler Kollege und Vorgesetzter, auch denen, die aus ihrer Abneigung gegen die Naziherrschaft kein Hehl machten.

Die Flucht führte ihn mit Frau und ältester Tochter zunächst nach Bautzen, dann weiter über Karlsbad, Neudeck und Lauban nach Bad Flinsberg. Dort kam in August 1945 sein erster Enkel zur Welt. Ein Jahr lang hielt es die Familie in Bad Flinsberg aus, bis die Drangsale unerträglich wurden. Mit einem Transport Ausgewiesener gelangte die Familie 1946 in das Aufnahmelager Mariental bei Helmstedt, wo sie auch die Tochter Ilse wiederfand. In Emmenstedt fanden Erwin Vetter und seine Frau nach bitteren Notzeiten endlich wieder eine Bleibe. Unverzagt stellte er hier seine Kräfte dem Wiederaufbau und Gemeinwohl zur Verfügung. Seine besondere Fürsorge und Hilfsbereitschaft galt den Schicksalsgefährten. Schon bald genoß er in der neuen Heimat die Achtung und das Vertrauen seiner Mitmenschen. Schon 1952 wurde er in den Gemeinderat gewählt und zum stellvertr. Bürgermeister berufen.

Nachdem 1955 seine Lebensgefährtin verstorben war, zog er zu seiner ältesten Tochter nach Hillese, Krs. Gifhorn. In den letzten Lebensjahren ging es ihm gesundheitlich nicht gut. Die harten Lebensbedingungen der Kriegs- und Nachkriegszeit forderten ihren Tribut. Doch bis zum letzten Atemzug galt seine Liebe der schlesischen Heimat, sein Interesse der politischen Entwicklung und seine Aufmerksamkeit dem Wohl seiner Landsleute, insbesondere dem Schicksal seiner ehemaligen Kollegen und Schüler. Am 3. Januar 1967 ging Erwin Vetter für immer von uns.


Studienrat Paul Fiedler

Paul Fiedler

Paul Fiedler wurde am 13. Oktober 1890 in Weißholz, Krs. Glogau, als Sohn des evangelischen Pastors geboren. Er besuchte als Freischüler das Gymnasium in Bunzlau und legte dort auch das Abitur ab. Es folgte das Studium in Freiburg/Br., unterbrochen durch den 1. Weltkrieg. Er kämpfte als Soldat in Frankreich und Serbien, war Träger des Eisernen Kreuzes und des Kriegsverdienstkreuzes. Nach Beendigung des Studiums war er Studienreferendar und Studienassessor in Görlitz und Hirschberg. 1928 kam er als Studienrat nach Lüben. Er unterrichtete die Fächer Latein, Religion, Musik und leitete als Nachfolger von OL Zingel den Schulchor und das Schulorchester, obwohl Musik nicht zu den Fächern seiner Lehrbefähigung gehörte. Als begabter Laie meisterte er diese Aufgabe aber mit Bravour.

Aufgrund seiner liberalen Gesinnung hielt Paul Fiedler nach 1933 Distanz zum damaligen Regime. Neben seiner hauptberuflichen Lehrertätigkeit war er begeisterter Stenographielehrer und Leiter des städtischen Chors Lüben, mit dem er im "Goldenen Löwen" Chorkonzerte aufführte. Meines Wissens war er auch im Riesengebirgsverein an führender Stelle tätig.

Ein Lehrer ohne Spitznamen ist kaum denkbar. Paul Fiedler hatte gleich deren drei: Spießer, Collegio und Fifi. Sein Humor reichte sicher aus, sie gelassen hinzunehmen.

Die Familie wurde in den Wirren des Zusammenbruchs und der Flucht auseinandergerissen. Sie fand erst im Herbst 1945 in Görlitz wieder zusammen. Sohn Hans-Freimut war von einem Fronteinsatz bei Sagan nicht mehr zurückgekehrt. Außer ihm hatte das Ehepaar Fiedler noch die Töchter Hannelore und Dorothea sowie den Sohn Theodor.

Nach einem Zwangseinsatz bei Demontagearbeiten konnte Paul Fiedler, der als Gegner des Naziregimes nicht belastet war, im Oktober 1945 in den Schuldienst zurückkehren. Er war am Wiederaufbau des Schulwesens maßgeblich beteiligt und gab als Studienrat am Gymnasium Augustum Latein, Religion, Griechisch, Erdkunde und Musik. Daneben baute er ein Schulorchester auf und arrangierte mit den Chören der Görlitzer höheren Schulen Konzerte in der Görlitzer Stadthalle. Aus den Resten der verschiedenen Schulbibliotheken baute er eine neue Schulbücherei auf und setzte auch die geliebte Tätigkeit als Stenographielehrer fort. Politisch engagierte er sich in der CDU der DDR. Damit war er wohl ein Dorn im Auge der neuen Machthaber. Im Frühjahr 1953 wurde er als Anhänger bürgerlicher Ideologien der politischen Unzuverlässigkeit bezichtigt und aus dem Schuldienst entlassen. Das muß wohl die bitterste Enttäuschung dieses aufrechten Demokraten und Idealisten gewesen sein. Erst nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 wurde er voll rehabilitiert und durfte seine Lehrtätigkeit fortsetzen.

Noch vier Lebensjahre waren ihm danach vergönnt, in denen er etwas freier leben und arbeiten konnte. Mitten aus dem Leben und der Arbeit heraus riß ihn am 1. Juni 1957 ein Herzinfarkt. Der von den Strapazen des Krieges und der harten Nachkriegszeit geschwächte Körper war wohl der ständigen Überforderung nicht mehr gewachsen. Seine Ehefrau verstarb am 1. April 1986 im 93. Lebensjahr.


Oberstudiendirektor Karl Hassel

Über das Leben, das schlimme Schicksal von Karl Hassel ist nicht viel zu sagen, weil darüber kaum etwas bekannt ist. Er gehörte auch nicht zu den eigentlichen Stammkräften unserer Schute, hat ihr nur von 1938 bis 1945 angehört. Gleichwohl schulden wir, die wir seine Schüler sein durften, ihm in dieser Dokumentation mehr als nur die Aufnahme in die Übersicht der Lehrkräfte.

Als er als 55jähriger Oberstudiendirektor an unserer Schule erschien, aber nur die Funktion eines Studienrats bekleidete, löste das natürlich zunächst großes Rätselraten aus. Trotz offiziellen Schweigens sickerte aber bald durch, daß Karl Hassel Schulleiter in Grünberg war. Wegen seiner Zugehörigkeit zu den Freimaurern war er für die braunen Machthaber in dieser Stellung nicht mehr tragbar. Er mußte weichen, so einfach war das damals. Kein Wunder, daß wir als dem System ergebene Wirrköpfe ihm natürlich zunächst mit Argwohn und Skepsis begegneten. Doch wie schnell schlug unser Mißtrauen in Begeisterung um! In ihm lernten wir einen Pädagogen ganz anderer Art und Mentalität kennen als die, die uns bisher begegnet waren. Nicht nur daß uns sein großes Fachwissen imponierte, vor allem wie er mit uns umging, nötigte uns erst Erstaunen, dann größte Hochachtung ab. Das selbstverständliche Vertrauen, das er blind in uns setzte, machte uns zu Musterknaben. Für uns war seine Strafversetzung wahrhaftig ein Glücksfall. Schon bald verehrten wir ihn und nannten ihn "Vadder". Besser konnten wir unsere Zuneigung nicht ausdrücken. Das muß er auch gespürt haben. Vielleicht hat ihm das geholfen, das Unrecht leichter zu ertragen, daß ihm so schamlos und willkürlich zugefügt werden konnte, ohne daß sich unter den Kollegen der geringste Protest gerührt hätte.

Karl Hassel wurde am 12. Juni 1883 geboren. Er war also nicht mehr der jüngste, als ihn wie alle anderen das harte Schicksal der Vertreibung traf. In Leer/Ostfriesland war er, der politisch Unbelastete, noch ein paar Jahre am Gymnasium tätig. Den Lebensabend verbrachte er in Loga bei Leer. Sein Todestag ist unbekannt.


Oberlehrerin Margarete Leupold

Margarete Leupold, von uns burschikos "Martha" genannt, wurde am 30. August 1886 als Tochter des Mallmitzer Landwirts Leupold geboren. Sie hatte drei Schwestern und zwei Stiefbrüder. Schon während ihrer Kindheit und Jugend entstand ihre enge Bindung zur Natur, an der sie zeitlebens festhielt. Sie bestimmte wohl auch ihren Entschluß, als Vegetarierin zu leben.

1906 legte Margarethe Leupold ihre Lehrerinnenprüfung für Volks-, Mittel- und höhere Schulen ab, 1907 erhielt sie zusätzlich die Lehrbefähigung als Handarbeitslehrerin und 1908 auch die als Turnlehrerin.

Von Ostern 1907 bis Ostern 1910 wirkte sie an der Dumas'schen Privatschule in Leipzig. Danach gab sie bis Oktober 1910 ihr erstes Debüt an der Höheren Mädchenschule in Lüben. Anschließend verbesserte sie bis Ostern 1911 ihre Sprachkenntnisse in Frankreich, um dann nach einer weiteren Zwischenstation an der Leipziger Privatschule endgültig in die Lübener Mädchenlehranstalt einzutreten. Mit deren Auflösung 1932 trat sie nahtlos in den Lehrkörper des Reformrealgymnasiums über. Hier lehrte die geschätzte und geachtete Pädagogin, deren Selbstdisziplin bewunderungswürdig war, bis zum letzten Schultag im Januar 1945. Ihre Hauptfächer waren Mathematik, Deutsch, Naturkunde und Sport. Sie verlangte viel, gab aber auch selbst das Letzte. Immer hatte sie ein offenes Herz für die, die wegen ihrer einfachen Herkunft ein bißchen am Rande der Klassengemeinschaft standen.

Der Verlust der Heimat traf sie schwer. Mit ihrer Schwester Herta hatte sie der Fluchtweg nach Leipzig geführt, wo sie noch Bekannte aus früherer Zeit hatte. Hier fristete sie lange Jahre ihr kärgliches Dasein als Gärtnereiarbeiterin. Nachdem ihre Schwester verstorben war und sie selbst der Hilfe bedurfte, holten sie Schwester Dora und Nichte Christa Sembill geb. Seite nach Bremen. Hier lebte sie in einem modernen, freundlichen Altenwohnheim noch einmal auf und genoß ihren Lebensabend noch sechs Jahre lang in ungetrübter geistiger Frische, bevor sie am 16. Februar 1976 im 90. Lebensjahr für immer von uns ging.


Studienrat Wilhelm Munderloh

Wilhelm Munderloh

Heinrich August Wilhelm Munderloh wurde als Sohn des Schriftsetzers August Munderloh am 8. Februar 1877 in Ratibor/OS in eine kinderreiche Familie hineingeboren. Seine Eltern schickten den Sohn erst aufs Gymnasium und dann aufs Priesterseminar. Er jedoch entschloß sich noch im letzten Augenblick umzusatteln und Neuphilologe zu werden. Da er auf dem humanistischen Gymnasium außer Griechisch und Latein nur Französisch gelernt hatte, brachte er sich selbst noch Englisch bei.

Sein Studium mußte er selbst durch Nachhilfestunden und als Hauslehrer in Russisch-Polen verdienen. Dort lernte er ein kultiviertes Polnisch. Das Amtsgericht in Lüben hat sich seiner deshalb gelegentlich als Dolmetscher bedient.

In Bad Muskau/OL lehrte er an der Mittelschule, dabei lernte er seine Frau Helene geb. Zawodny kennen, die er am 20. April 1909 heiratete. Bald darauf wurde er nach Lüben berufen, wo er in den oberen Klassen Französisch und Englisch und in den unteren Latein unterrichtete. 1942 trat er in den Ruhestand. Wegen des kriegsbedingten Lehrermangels wurde er gebeten, sich auch weiterhin zur Verfügung zu stellen. Er verschloß sich nicht und unterrichtete nun hauptsächlich in den unteren Klassen Naturkunde und Geschichte.

Heinrich Munderloh war ein guter Vater. Fünf eigene Kinder und ein elternloser Neffe seiner Frau wuchsen in der Familie auf.

Nebenher gab er noch Unterricht an der Heeresfachschule und auch Nachhilfeunterricht. Damit finanzierte er sein "Laster" - die unverzichtbaren Zigaretten. Nach jeder Unterrichtsstunde steuerte er unverzüglich die "Räucherkammer" am Ende des Ganges im ersten Stock an. Bei ihm konnte man immer sicher sein, daß die Stunde pünktlichst endete. Mitten im Satz ließ er abbrechen und die Bücher schließen.

Die Flucht der Familie Munderloh endete nach vielen Irrwegen zunächst in Erfurt. Durch die langen Entbehrungen entkräftet stürzte er dort am 29. November 1945 eine Treppe hinunter und erlitt dabei tödliche Verletzungen. In Erfurt ist seine letzte Ruhestätte.

Oberlehrerin Maria Schoen

Maria Schoen, als "Mia" besonders den unteren Klassen ein Begriff, wurde am 6. Januar 1886 als Tochter des Lübener Superintendenten Schoen geboren. Wer erinnert sich nicht an das hübsche Häuschen in der Faulhaberstraße? Sie hatte noch drei Schwestern und einen Bruder.

Auf Zureden der ältesten Schwester, die bereits passionierte Lehrerin war, wandte auch sie sich diesem Beruf zu. Sie besuchte in Liegnitz das Seminar von Frau Pastor Jähner und bestand dort 1907 ihr Lehrerinnenexamen. Zunächst nahm sie eine Stelle als Hauslehrerin in Pommern an. Später ging sie nach Paris, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Dort legte sie ihr Sprachexamen ab. Nach ihrer Rückkehr war sie als Vertretungskraft an einer Glatzer Schule tätig, bis sie 1910 an der Höheren Mädchenschule in Lüben angestellt wurde. 1912 legte sie nebenher in Berlin ihr Examen als Handarbeitslehrerin ab. Durch zwei schwere Operationen geschwächt, mußte sie sich für längere Zeit beurlauben lassen. Ihr angegriffener Gesundheitszustand hat ihr immer zu schaffen gemacht, aber klaglos hat sie ihr Los getragen,

Mit der Auflösung der Höheren Mädchenschule 1932 wurde auch Maria Schoen in den Lehrkörper des Gymnasiums übernommen. Wohl mit Rücksicht auf ihre schwache Konstitution war sie nur in den unteren Klassen eingesetzt. Wer ohne eigenes Verschulden im Mitkommen gefährdet war (etwa wegen längerer Erkrankung), durfte immer mit ihrer Unterstützung rechnen. Notfalls sprang auch ihre teilweise gelähmte Schwester Dora mit Nachhilfestunden ein.

Als im Januar 1945 der Untergang über Lüben hereinbrach, mußte sich auch Maria Schoen mit ihren Schwestern Dora und Käthe auf den Weg ins Ungewisse machen. Ihr schwaches Herz war jedoch dem Martyrium der Flucht nicht lange gewachsen. Am 28. April 1945 verstarb sie in Komotau/Sudetenland. Unbestätigten Berichten zufolge soll die Schwererkrankte noch durch Tieffliegerbeschuß verwundet worden sein.


Studienrat Dr. Martin Treblin

Dr. Martin Treblin

Dr. Martin Treblin wurde am 26. September 1882 zu Breslau als Sohn des Propstes Dr. theol. Adolf Treblin und seiner Ehefrau Mathilde geb. Höfer geboren, besuchte die Volksschule und das Johannes-Gymnasium seiner Vaterstadt und bestand Michaelis 1902 die Reifeprüfung. Danach studierte er an den Universitäten Breslau und Marburg Philologie und Theologie. Am 23.12.1907 bestand er die Doktorprüfung "magna cum laude". Seine Doktorarbeit: "Beiträge zur Siedlungskunde im ehemaligen Fürstentum Schweidnitz" erschien als 6. Band der "Darstellungen und Quellen zur schlesischen Geschichte 1908".

Am 18.02.1910 bestand er zu Breslau die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen mit "gut" und erwarb die Lehrbefähigung in Geschichte, Erdkunde, Religion und Deutsch. Die praktische Ausbildung erhielt er an den Oberrealschulen in Breslau und Liegnitz sowie am König-Wilhelm-Gymnasium zu Breslau. Ständig hat er an seiner Weiterbildung gearbeitet und zahlreiche Aufsätze über Volkskunde, Siedlungsgeschichte, Geologie und zeitgenössische Literatur in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht. U. a. erschienen in der illustrierten Zeitschrift "Schlesien" (Phönix-Verlag) folgende Aufsätze:
- Bühne, Laube und Frankspitze an schles. Bauernhäusern, 1901
- Die Steinkessel im Riesengebirge (Die Kesselsteine bei Kiesewald)
- Eingebaute Gänge (Loggien) an schles. Bauernhäusern, 1910
- Die Kare der Schneegruben, 1910
- Volkstümliche Ortsnamendeutungen, 1911
- Siedlungskunde: Die Wüstung Quirl im Riesengebirge, 1911
- Buchbesprechung "Partsch Josef: Schlesien, Landeskunde für das deutsche Volk, auf wissenschaftlicher Grundlage bearbeitet", 1912

Am 1. April 1912 trat Dr. Treblin den Dienst am Lübener Gymnasium an. Hier war "Trebbel", wie er liebevoll-kameradschaftlich genannt wurde, schon bald einer der beliebtesten Lehrer. Hören wir, was Theo Dames, einer seiner ganz frühen Schüler und Wandervogelfreunde über ihn zu sagen hat (vgl. auch Lübener Heimatblatt 1953, S. 57): "Als er an das Lübener Gymnasium kam, da trug er noch den grauen Gehrock mit Schößen und steifem Kragen und seidenem Binder, ganz üblich, vielleicht sogar etwas altväterisch. Aber als dann im Sommer 1914 die Wandervogelgruppe in Lüben gegründet wurde, da war Dr. Treblin dabei. Er übernahm zunächst die Leitung des Eltern- und Freundesrates, war also nicht "aktiv". Es sagte ihm aber nicht zu, nur den Vermittler zwischen uns Wandervögeln und den Eltern zu spielen; er ging mit uns auf "Fahrt". Und als der 1. Weltkrieg ausbrach und der Leiter der Ortsgruppe Soldat wurde, da übernahm Dr. Treblin die Führung. Er ging nun bereits gekleidet wie wir, und das war für das Jahr 1914 sehr auffallend: Mit kurzer Hose und nackten Knien. Er trug die damalige Wandervogelkleidung mit Schillerkragen, Lodenstoff, Rucksack, ohne Hut. Das war ungewöhnlich für einen Lehrer. Und - was viele nicht wußten - er duzte sich mit uns, seinen Schülern, freilich nur im Wandervogelbetrieb, nie in der Schule. Dort erwartete er von uns besondere Pflichterfüllung. Er schonte uns nie. Aber nicht nur wir Wandervögel, fast alle Schüler unserer Zeit erkannten ihn als den gerechten, fähigen Erzieher an, der wohl eigenartig erschien, aber doch überzeugte. Schließlich war ja zu bejahen, was er erstrebte: das einfache ungekünstelte Leben, die geistige Regsamkeit, die körperliche Ertüchtigung, die Liebe zur Heimat. Die Jugend war bei ihm in guten Händen. Diese Haltung hat ihm oft Schwierigkeiten in der Öffentlichkeit eingetragen. In der Schule gab er einen ausgezeichneten Unterricht. In Geschichte trug er so lebendig vor, daß mir noch heute Wenzel, des "Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation Erzschlafmütze", in bester Erinnerung ist. Und aus dem Deutsch-Unterricht habe ich noch den Klang von Gedichten Conrad Ferdinand Meyers in den Ohren. Der Dichtung stand er wirklich nahe. Er war der einzige der Lübener Lehrer, der Umgang mit neuester Dichtung und mit richtigen Dichtern hatte. Eberhard König, Guido Kolbenheyer und Hans-Christoph Kaergel stand er nahe. Und bei diesem geistigen Anspruch war er doch von größter Schlichtheit. Er war so natürlich, lehnte alles Gekünstelte ab, verabscheute Fremdtümelei und Fremdwortseuche."

In diesen tätigen und erfolgreichen Jahren begleiteten Glück und Leid seinen Weg. Am 17. März 1921 heiratete er seine Frau Martha geb. Jung, eine geistig sehr lebendige Volksschullehrerin aus Görlitz. Im Dezember kam Sohn Wolfgang zur Welt. Während Dr. Treblin selbst krank in Obernigk lag, starb seine Frau am 24. Dezember 1923, kurz vor der Geburt eines zweiten Kindes. Nun folgten bittere Jahre, in denen ihm besonders Eberhard König treu zur Seite stand. Er flüchtete sich in die Forschung. Gegenstand war die vorhistorische Zeit des Lübener Gebietes. In diesem Zusammenhang hat er nicht nur über 220 vor- und frühgeschichtliche Fundstellen entdeckt, mehr als 100 Aufsätze zur Heimatgeschichte veröffentlicht und ein Heimatmuseum begründet, sondern auch - Pastor Kloses Chronik ergänzend - eine neue Geschichte der Stadt Lüben geschrieben. Sie ist 1945, als er überstürzt flüchten mußte, leider zurückgeblieben und heute verloren.

In diese zweite Periode wissenschaftlicher Forschung fällt auch seine zweite Ehe. Am 1. Februar 1934 heiratete er Frau Hedwig Müller aus Trebnitz, die ihm endlich wieder Fürsorge und Geborgenheit gab. Aus dieser Ehe stammt die im Dezember 1934 geborene Tochter Helga.

Dr. Treblin gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten unserer Vaterstadt, er hat sich um Lüben verdient gemacht. Zu seinen Lebzeiten ist das viel zu wenig erkannt und gewürdigt worden. Wie hart muß es ihn getroffen haben, als auch er den Ort, der ihm so ans Herz gewachsen war, verlassen mußte. Mit seiner Familie flüchtete er nach Halle, wo eine Schwester wohnte. Not und Mangel konnten zwar seine geistige Kraft nicht brechen, aber der durch viele Krankheiten geschwächte Körper war den Entbehrungen nicht mehr gewachsen. Er begann wieder zu kränkeln. Am 31. Januar 1950 erlag er einem schweren Lungenleiden. Auf einem seiner letzten Kartengrüße schrieb er: "Ich schreite nun die letzte Strecke voll Hoffnung und Glauben an eine bessere Welt."


Dr. Konrad Weisker

Dr. Konrad Weisker

Der am 23. Mai 1885 in Freiburg/Schles. geborene Dr. Konrad Weisker verlebte seine Kindheit in Tarnowitz/OS. Dort besuchte er das Gymnasium und legte das Abitur ab. Anschließend studierte er in Halle, Lüttich und Paris Neuphilologie (Englisch und Französisch). Den Abschluß machte er in Halle, wo er auch promovierte.

Seine erste Stelle hatte er am Glogauer Gymnasium. Am 25. Januar 1912 heiratete er seine Frau Gertrud geb. Stein. Ostern 1913 wurde er an das Lübener Gymnasium versetzt, wo er Englisch und Französisch unterrichtete. Später gab er diese Fächer nebenher auch an der Heeresfachschule. Türkischen Gastschülern erteilte er gelegentlich auch Nachhilfeunterricht in Deutsch. Tochter Gisela erinnert sich, daß es dabei nicht selten zu amüsanten Vorfällen kam. Einen kleinen Kreis engagierter Primaner machte er im freiwilligen, abendlichen Vertiefungsunterricht auch mit der Philosophie vertraut, er brachte ihnen Descartes, Spinoza und Hobbes nahe.

In den Hauptfächern war er leicht abzulenken, wenn listige Schüler es verstanden, die Sprache im rechten Augenblick auf Vererbungslehre, Hundezucht oder Ahnenforschung zu bringen. Sein größtes Hobby war die Familienforschung. Hier reichten seine Aufzeichnungen und Bilddokumente bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Daneben liebte er Schach und Tennis und in ihren jungen Jahren gehörten Dr. Weisker und seine Frau zu den ersten Skiläufern. Während seiner Hochzeitsreise durchquerte das Ehepaar das Riesengebirge auf Skiern. Aus der Ehe gingen die drei Kinder Charlotte, Hans-Eberhard und Gisela hervor.

An Spitznamen hatte Dr. Weisker keinen Mangel, überliefert Bottel, Peff und Favour (letzterer in unterschiedlicher Schreibweise).

Die am 26. Jan. 1945 angetretene Flucht führte das Ehepaar Weisker zunächst zur jüngsten Tochter nach Spremberg, von dort ging es weiter nach Masdorf an der Schwarzen Elster. Nach Kriegsende kehrten die drei zunächst nach Spremberg zurück und Dr. Weisker arbeitete als Bibliothekar. Im November 1945, als die Verhältnisse in Spremberg für Tochter Gisela kritisch wurden, schlugen sie sich zur ältesten Tochter nach Aufhausen bei Starnberg durch. In Starnberg konnte Dr. Weisker den Schuldienst in den gewohnten Fächern wieder aufnehmen. Seine Pensionierung erlebte er jedoch nicht mehr. Er verstarb am 23. März 1947 und fand in Starnberg die letzte Ruhe.


Oberlehrer Gustav Zingel

Oberlehrer Gustav Zingel

Gustav Zingel erblickte am 7. Juni 1872 in Kunzendorf/Schles. das Licht der Welt. Nach seiner Ausbildung am Lehrerseminar Reichenbach war er zunächst an den Volksschulen Lerchenborn und Guhlau tätig. Doch damit gab er sich nicht zufrieden. Mit Energie und zielstrebig ließ er sich zum Oberschullehrer ausbilden. Bereits am 1. Oktober 1907 wurde er im Hinblick auf die bevorstehende Gründung des Realgymnasiums zusammen mit Direktor Dr. Caspari an die Höhere Knabenschule berufen. Sein Name ist von Anfang an mit dem Schicksal unserer Schule verbunden gewesen. Er hat ihr Gesicht und ihren Geist entscheidend mitgeprägt. Schon bald gehörten ihm die Zuneigung und das Vertrauen der Kollegen, Schüler und der Lübener Bevölkerung. Er sah im Lehrerberuf eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft schlechthin. Immer war er für andere da.

1903 wählten ihn die Kollegen zum 1. Vorsitzenden des Lübener Lehrervereins. In dieser Eigenschaft gehörte er dem Schlesischen Lehrerverein als Vorstandsmitglied an. Ferner stand er an führender Stelle im Niederschlesischen Sängerbund. In Lüben leitete er die Sängerarbeitsgemeinschaft und war Dirigent der "Liedertafel". Schließlich war er 1. Vorsitzender des Bürgervereins und stellvertr. Vorsitzender des Kreiskriegerverbandes und des Landwehrvereins. Als Kandidat der Notgemeinschaft wurde er 1926 in den Kreistag gewählt. Trotz all dieser Funktionen ist er immer der bescheidene, hilfsbereite Mitmensch geblieben.

Vor allem gehörte sein Herz der Jugend. Wer immer von seinen Schülern sich an ihn erinnert, tut das gern und voller Dankbarkeit. Er gab Deutsch, Erdkunde, Naturkunde, Sport und Musik und leitete lange Jahre den Schulchor und das Schulorchester.

1937 trat er in den Ruhestand. Als aber im Krieg Not am Mann war, stellte er sich ohne Murren wieder zur Verfügung. Er, der im 1. Weltkrieg dreieinhalb Jahre an verschiedenen Fronten gekämpft hatte, wollte sich auch jetzt dem Land, der Schule und den Schülern nicht versagen. Bis zur letzten Stunde seines fast 71jährigen Lebens übte er den geliebten Lehrerberuf aus. Am 1. April 1943 verschied er unerwartet mitten aus den Leben heraus. So blieb ihm erspart, das traurige Ende seiner Schule und den Verlust der Heimat mitzuerleben. In einer ergreifenden Trauerfeier in der Aula der Schule nahmen Kollegen und Schüler Abschied von ihrem unvergessenen "Gustav".


Der Schuldiener Erwin Siebenhaar

Erwin Siebenhaar

Was wäre die Schule gewesen ohne ihn? Hätte es ihn nicht gegeben, so hätte er erfunden werden müssen. Er war der gute Geist des Hauses vom ersten Tage seines Bestehens an. Das verlangte Verantwortungsbewußtsein und verlieh Autorität. Da durfte er schon mal erklären: "Ich und der Herr Direktor haben beschlossen...". Selbstbewußtsein war vonnöten bei der Rasselbande, die da tagtäglich in seinem Revier ihr Unwesen trieb.

Erwin Siebenhaar erblickte am 18. Oktober 1882 in Deschka, Krs. Görlitz das Licht der Welt, besuchte in Zentendorf die Schule und erlernte in Rothenburg/OL das Schlosserhandwerk. In Görlitz legte er die Gesellenprüfung ab. Danach ging er - wie sich das gehörte - auf Wanderschaft.

Seine Militärzeit leistete er beim Husarenregiment Totenkopf in Danzig-Langfuhr. Von 1904 bis 1906 kämpfte er in Deutsch-Südwestafrika.

Am 13. Mai 1907 heiratete er seine Frau Selma geb. Neu. Aus dieser Ehe stammen die Töchter Gertrud, Elsa und Cäcilie.

Aufgrund seiner Militärdienstzeit erhielt er 1908 am neugegründeten Lübener Gymnasium die Stelle als Schuldiener. Die bekleidete er vom ersten bis zum letzten Tag pflichteifrig, zuverlässig und ordnungsliebend, nur unterbrochen durch die Kriegsdienstzeit des 1. Weltkrieges, den er als Freiwilliger von Anfang bis zum Ende mitmachte. Derweil mußte seine Frau ihn vertreten.

Nachdem seine erste Frau verstorben war, ging er 1926 eine zweite Ehe ein. Auch die zweite Frau war ihm bei der Arbeit eine große Hilfe.

Wie mag unserm Sibi um Herz gewesen sein, als er im Januar 1945 seine Schule im Stich lassen mußte? Seine erste Bleibe auf der Flucht fand das Ehepaar in Münchehagen bei Hannover. 1952 zog es dann zu den Töchtern nach Berlin. Hier verstarb Erwin Siebenhaar am 4. Juni 1963.


Die Oberschullehrerinnen Maria Schoen und Margarete Leupold
auf der Schulpromenade

Maria Schoen und Margarete Leupold auf dem kleinen Exerzierplatz. Die Dame ganz rechts ist vermutlich auch eine Lehrkraft.

Lehrerin Helene Wyrwich

Studienrat Fiedler


Übersicht über die Lehrkräfte, die am Lübener Gymnasium gewirkt haben
1

Name Vorname Spitzname Amtsbezeichn. Geb. Datum Fächer Schulzugehörigkeit Todestag
Bartoschek   Chinamann StRt     vorübergeh.  
Brockscheid           vorübergeh.  
Bruck     StAss     ab Sept. 27 vorübergeh.  
Brilke     StAss   Rech., Dtsch., Gesch., Erdk. ab Febr. 28 vorübergeh.  
Bruzlow Herbert   StAss   Phys., Naturk., Erdk., Math., Turn. ab 01.04.24 vorübergeh.  
Caspari 2 Hermann   StDir 10.10.1862 Che., Franz., Math., Erdk., Naturk. 01.10.07-19.01.18 19.01.2018
Dworski 3 Karl   OL 23.08.1867   01.07.07-01.04.09  
Eilert 4 Friedrich   OL 05.11.1851 Lat., Dtsch., Rechn., Erdk., Botan. 01.07.2004  
Feist Joseph   Dipl.Ing. 19.01.1901 Phys., Erdk., Math., Naturk. ab 1927 vorübergeh.  
Fiedler Paul Spießer, Fifi, Collegio StRt 13.10.1890 Lat., Musik, Religion 1928-1945 01.06.1957
Freudenthal Hans W. L.   StAss 19.07.1902 Französisch ab 1930 vorübergeh. 29.06.1997
Gähler Eberhard   StAss   Chemie, Naturk., Phys. 1936/37  
Göbel           1935/36  
Graumann   Siehfix StAss     vorübergeh.  
Greulich 5 Helmut   StAss 24.10.1906 Dtsch., Gesch., Sport 01.09.33-31.03.35  
Haase Arved   Dipl.Ing.   Mathe. ab 1930 vorübergeh.  
Haessner              
Halfpaap 6 Friedrich Wilhelm Papen ak. OL 1882 Zeichn., Turnen, Kunstgesch. 01.04.09-01.06.34 05.06.1946
Hanke 7 Johanna   StR'in 08.07.1909 Mathe., Turnen 1941-1943  
Hassel 8 Karl Vadder OStDir 12.06.1883 Phys., Mathe. 1938-1945  
Heinke Hermann   StAss   Franz., Dtsch., Engl. ab 01.04.24 vorübergeh.  
Hettwer   Bubi StAss   Chemie 1938-1939  
Hielscher   Käsekill StAss   Französisch    
John Willi Johnbull StRt 01.03.1907 Engl., Gesch., Turn. 1939-1941  
Jüngling9 Alphons   OL 06.01.1848 Lat., Gesch., Dtsch., Erdk., Rel. 1907-1918 26.05.1924
Kapuste Roman   StRt 28.02.1895 Franz., Engl., Turn. ab 1926 vorübergeh.  
Kaufmann     StRt   Dtsch., Gesch., Geogr. ab 1927 vorübergeh.  
Köhler     StAss'in   Sport    
Kotulla         Erdk., Sport    
Kozmiensky10 Walter Kosmy StRt 11.06.1906 Sport, Engl., Franz. 1942-1944  
Krenke Gustav Ische StRt 06.01.1863 Naturk., Franz., Dtsch., Lat., Rel. 01.04.11-31.03.28 1928
Krusche Albert Zassel StRt 31.07.1879 Math., Phys., Biolog., Erdk., Dtsch. 01.10.09-1935 09.02.1945
Laux     StRt   Dtsch.    
Leupold Margarete Martha OL'in 30.08.1886 Math., Naturk., Dtsch. 1932-1945 16.02.1976
Mau     StAss   Dtsch. vorübergeh.  
Marten         Dtsch. vorübergeh.  
Meier     StRt        
Mosel Kurt Mosella StRt 22.10.1880 Lat., Rel., Gesch. 01.04.14-Jan. 1928 03.01.1928
Munderloh 11 Heinrich Gittegitt StRt 08.02.1877 Engl., Franz., Naturk. 01.04.08-1942 29.11.1945
Pätzold Gertrud   StAss'in     1928-1929  
Paschky     StAss 21.12.1900 Erdk., Rel., Dtsch., Gesch. ab 26.11.24 vorübergeh.  
Pinkart     StAss     ab 1936 vorübergeh.  
Prodler Otto   StAss   Rel., Dtsch., Gesch., Erdk. 31.03.27-Jan. 1928  
Riedel     StAss   Chemie vorübergeh.  
Rust 12 Otto   Erzpri. Geistl. Rat 24.04.1871 Kath. Religionsunterr. 1925-1945 2./3.03.45
Salbenblatt     StAss'in   Deutsch 1928  
Scheffler Erich Isidor StAss 07.06.1901 Deutsch, Englisch um 1935/36/37/38  
Schmidt Eugen StAss       vorübergeh.  
Schoen Maria Mia Mittelschull. 06.01.1886 Franz., Musik, Engl., Dtsch, Rel. 01.05.32-1945 28.04.1945
Scholz     StAss   Erdkunde -31.03.27  
Schumann 13 Hans   StRt 17.12.1896 Dtsch., Gesch., Engl., Latein 1930-1940 02.01.1972
Selke     StRt   Lat., Rel., Gesch. ab Jan. 1928 vorübergeh.  
Taube Wilhelm   StAss   Rel., Gesch., Erdk., Dtsch., Turnen ab 1924 vorübergeh.  
Tietze 14 Alfred   kath. Pfr.   Kath. Religionsunterr. -1925  
Treblin Martin Trebbel StRt 26.09.1882 Gesch., Erdk., Rel., Dtsch. 01.04.12-1945 31.01.1950
Tscharntke 15 Erich Direx StDir 21.08.1892 Chem., Math., Erdk. 01.04.18-01.05.34 28.12.1967
Thur Heinrich   StAss 14.05.1888 Chem., Naturk., Math. vorübergeh.  
Vetter 16 Erwin Chef, Direx OStDir 19.07.1888 Dtsch., Gesch., Rel., Lat., Erdkunde 01.09.19-1945 03.01.1967
Völkel Erdmute       Erdk., Dtsch., Gesch.    
Weisker 17 Konrad Bottel, Paff, Favour StRt 23.05.1893 Franz., Engl. 1912-1945 23.03.1947
Welzel     StAss   Phys., Naturk., Erdk., Turnen vorübergeh.  
Wyrwich Helene Helene StAss'in 21.01.1911 Dtsch., Math. 1941-1945  
Zingel Gustav Opa, Gustav OL 07.06.1872 Musik, Rel., Rechn., Erdk., Zeichn., Naturk. 1907-1943 01.04.1943
Strack 18 Anna-Maria     01.07.1867 Englisch, Französisch 1942-1943 27.12.1955

Weitere Bedienstete der Schule

Bialucha Gertrud   Sekretärin     1940-1945  
Schultz Lydia   Sekretärin 1905   1938-1940  
Siebenhaar Erwin Sibi Schuldiener 18.10.1882   1908-1945 04.06.1963

1 Die Übersicht kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben: sie enthält auch nicht die vorübergehend beschäftigten Studienreferendare.
2 1. Schulleiter von 01.10.1907 - 19.01.1918.
3 Herr Dworski war zuvor bereits wissenschaftlicher Lehrer an der Höheren Bürgerschule.
4 Herr Eilert war zuvor seit dam 01.07.1904 wissenschaftlicher Lehrer an dar Höheren Bürgerschule.
5 1934 Leiter des Alumnats.
6 OL Halfpaap wurde bei Kriegsbeginn eingezogen. Im Rang eines Luftwaffenmajors arbeitete er beim Wetterdienst auf dem Lübener Flughafen.
   Er verstarb in russischer Kriegsgefangenschaft.
7 Frau Hanke soll nach dem Krieg in Regensburg gewesen sein.
8 Nach dem Krieg war OStDir Hassel noch am Gymnasium in Leer/Ostfriesland tätig.
9 vgl. Abschn. VI Abs. 6 des Berichtes über das Schuljahr 1924/1925
10 StRt. Kozmiensky leitete auch zeitweilig das Alumnat und war nach dem Krieg an einem Nürnberger Gymnasium tätig.
11 StRt Munderloh stellte sich wegen des kriegsbedingten Lehrermangels auch nach der Pensionierung weiterhin für den Schuldienst zur Verfügung.
12 Pfarrer Rust erteilte den kath. Religionsunterricht als Geistlicher, nicht als Vollmitglied des Lehrerkollegiums.
13 Herr Schumann war nach dem 2. Weltkrieg Oberstudiendirektor am Gymnasium Lutherschule in Hannover.
14 Pfarrer Tietze erteilte den kath. Religionsunterricht als Geistlicher, nicht als Vollmitglied des Lehrerkollegiums.
15 2. Schulleiter vom 01.04.1918 - 01.06.1934.
16 3. Schulleiter ab 14.03.1935 - 1945.
17 Dr. Weisker war nach dem Krieg noch am Gymnasium in Starnberg/Obb. tätig.
18 Frau Strack war als Aushilfskraft während des 2. Weltkrieges nicht Vollmitglied des Lehrerkollegiums.

Abschnitt 1: Vorwort Abschnitt 2: Die Chronik Abschnitt 3: Aus dem Schulalltag   Abschnitt 5: Die Schüler Abschnitt 6: Schülererinnerungen von Eva Munderloh Abschnitt 7: Fahrschülererinnerungen von Gustav Fechner, Raudten Abschnitt 8: Erinnerungen von Hans-Joachim Rudolph, Ossig Abschnitt 9: Erinnerungen von Erich Archner und Rudolf Behnisch Abschnitt 10: Erinnerungen des Fahrschülers Leo Beyl, Raudten