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Am 2.5.1903 schrieb Sohn Ernst seinen Eltern diese Ansichtskarte aus Lüben mit dem Blick in die Breite Straße: "Haben schon über acht Tage herrliches Wetter hier. Ich sende hierdurch die herzlichsten Gratulationen zu Vaters Geburtstage. Kann morgen Sonntag noch nicht kommen. Hoffentlich über acht Tage. Viele Grüße v. E. [von Eurem] Sohn Ernst." Es scheint, als sei Ernst bei den Lübener Dragonern gewesen. Links Paul Vorwerks Brot- und Weiss-Bäckerei, rechts Colonialwaren Wilhelm Fiebig. Im Hintergrund ist die Eisenhandlung Reinhold Wildenhof am Amtsgericht zu sehen.
Die gleiche Ecke mit dem neuen Haus der Vorwerk-Bäckerei. Dahinter die Geschäfte von Hermann Natusch, Wagenbauer Karl Petrasch und (unter dem Balkon) Klempnermeister Otto Irmler, dem Vater des berühmten Pfarrers Rudolf Irmler. Im Jahr 1903 versandte A. Scheibel aus der Breiten Str. 21 diese Ansichtskarte. Sie wurde im Selbstverlag von Kolonial-warenhändler Wilhelm Fiebig herausgegeben und zeigt sein Haus, das kurze Zeit später Conrad Schicke übernahm. Gegenüber von der Bäckerei: Caffee-Rösterei und Colonialwaren Conrad Schicke, Vorbesitzer Wilhelm Fiebig. Am Giebel preist er an: Billige Bezugsquelle für sämmtliche Colonialwaren, Cigarren & Cigaretten in grosser Auswahl, Rauch- & Kau-tabake, Militär-, Putzeffekten, Steinauer Seifen, Farbwaren. Neben Schicke folgte Zigarrenhandlung Kulok. Daneben richtete Fritz Zwiener nach dem 1. Weltkrieg sein Fahrrad- und Nähmaschinengeschäft mit Werkstatt ein. Zuletzt befanden sich neben Schicke die Milchhalle und Eiscafé Rohde. Es folgten Sattler Burde, Tischlerei und Sarggeschäft Winkler, Bäckerei Eiselt, Sattlerei Habicht (besser zu sehen auf einem der folgenden Fotos), Klempnerei Wuttig, ein Zigarrengeschäft, Friseur Kulbe, Konditorei Hilbig und an der Ecke Kolonialwaren Paul Hübner, zuvor Glaserei Emil Selter. Herren- und Damen-Friseur W. Kulbe in der Breiten Straße. Links: die Auszubildende Helene Fels um 1939. BDM-Umzug im Jahr 1937 vor den Geschäften von Sattlermeister Bernhard Habicht und Bäckermeister Otto Eiselt.
Noch einmal Vorwerks Bäckerei vor und nach dem Umbau.
In den 1930er Jahren baut Bäcker Franz Gertig das Eckhaus um. Am Irmler-Haus ist der wohl baufällige Balkon entfernt worden. Straßenlampen und elektrische Leitungen zeugen vom unaufhaltsamen Fortschritt. Bäume werden gefällt und wieder ersetzt, wie die letzten Bilder auf dieser Seite zeigen.
Breite Str. 14 vor dem Geschäft des Klempnermeisters Irmler, des Vaters des berühmten Lübener Pastors Rudolf Irmler, Sohn Rudolf, Vater Otto, Schwester Hannchen. Es fehlen Mutter Ida und Sohn Reinhard. Dem Alter der Kinder entsprechend ein Bild von ca. 1916. Otto Irmler verstarb 1934. Seinen Laden übernahm Frisör Georg Rosenau.
An der Kreuzung trennt die Breite Straße die von rechts kommende Kasernenstraße von der nach links führenden Schulpromenade. Im linken Eckhaus befand sich, bis er auf die gegenüberliegende Straßenseite wechselte, das Geschäft des Glasermeisters Emil Selter. Das Haus hat hier noch die Nummer 54. Irgendwann wurde neu nummeriert. Seitdem hatte das Eckhaus die Nummer 32. Daneben führte P. Florian eine Conditorei, die später Alfred Hilbig übernahm.
Die Dragoner kommen aus Richtung Hindenburgstraße und reiten vermutlich geradeaus zum Ring. Zwei ziemlich verrückte Herren lassen sich den Anblick der Dragoner vom Dach des Hauses Breite Str. 31, in dem sich später Café Hilbig befand, nicht entgehen. Über dem Eckhaus links steht schon geschrieben: Emil Selter Inh. Paul Hübner. Im rechten Eckhaus war Friseur Max Gottschling tätig. Rechts befindet sich die Grünanlage des Hann-von-Weyern-Platzes, der 1903 aus dem Töpferplatz entstand. Links das 1901 enthüllte Kaiser-Wilhelm-Denkmal.
Weitere Veränderungen sind sichtbar. Kolonialwarenhändler Paul Hübner hat sein Haus umgebaut. Die Ansichtskarte wurde 1915 verschickt. Entsprechend kann der Umbau datiert werden. Siehe auch seine Geschäftsanzeige von 1928! Herzlichen Dank Tomasz Mastalski! Die Mieter im Hübner-Haus haben Blumenkästen in den Fenstern. Neben Gottschlings Friseurladen, wo nach rechts die Kasernenstraße abbiegt, steht nun eine Litfaßsäule. Das Auto rechts vorn könnte der Apollo der Stadtverwaltung sein...Wenig anheimelnd sieht die Breite Straße mit den radikal gestutzten Linden aus. Warum mag diese Aktion notwendig geworden sein? Neben Friseur Gottschling folgen Gasthof “Prinz Heinrich”, Fleischerei Max John, Fotoladen Baumann, Textilladen Martin Arlt, Fleischerei Wittwer, Gasthaus zum Goldenen Anker, Emanuel Nitschke Papier & Buchhandlung, Glaserei Emil Selter, Klempner Otto Irmler, Technik und Radio Tillmann und an der Ecke Bäckerei Franz Gertig. |