Schulpromenade
 Schwenckfeldstraße Lüben














Mädchenschulhaus - Pulverturm - Habsburger Haus - Evangelische Volksschule - Pfarrhaus - Evangelische Kirche - Glockenturm

Lüben von der um 1903 neu angelegten Schulpromenade aus gesehen. Mit einem herzlichen Dankeschön an Christoph Alter.

Außer einer kleinen Anlage am Kriegerdenkmal und am Deutschen Kaiser in der Bahnhofstraße gab es bis um 1900 keine besonderen öffentlichen Anlagen in Lüben. Im Jahre 1901 wurde Hermann Marx, der bis dahin Schloßgärtner beim Grafen von Schmettow in Brauchitschdorf war, als Stadtgärtner angestellt. Ausgestattet mit reichen Fachkenntnissen, legte er geeignete Pläne für die Schaffung von Grünanlagen vor. Der damalige Bürgermeister Faulhaber, sowie Ratsherr Gustav Anderssohn zeigten für diese Vorschläge großes Interesse. Als geeignetes Gelände stand der stadteigene alte Wallgraben zur Verfügung; so wurde es möglich, innerhalb der Stadt einen Grüngürtel anzulegen.

In den ersten Jahren wurde der Teil an der Schulpromenade, von dem kleinen Schulhaus bis zur Bahnhofstraße, zugefüllt und mit Gehölzen bepflanzt. Die zwei Reihen Bäume, abwechselnd eine Linde und ein Kugelahorn, die den Promenaden-weg längs der Straße begrenzten, spendeten im Sommer den erfrischenden Schatten. Selbst bei einem überraschenden Regenschauer konnte man sich hier unterstellen.

Schulpromenade Lüben

Die Schulpromenade, bevor sie die "obere Bahnhofstraße" kreuzte. Rechts die Rückseite des Postamts.
Die Litfaßsäule neben dem Postamt ist auf vielen Fotos zu sehen und hilft bei der Orientierung.

Schulpromenade Lüben

Noch einmal aus gleicher Perspektive einige Jahre später. Das Dachgeschoß der Post ist umgebaut.

Schulpromenade Lüben

Ein paar Schritte weiter überqueren wir die Bahnhofstraße und gehen die Schulpromenade weiter in Richtung Gymnasium und Evangelischer Kirche. Links die Synagoge, die am 9. November 1938 von Lübenern zerstört und geplündert wurde.

Kreuzung Bahnhofstraße Nr. 5 / Schulpromenade

Ein Dokument der Schande:
Nach der Pogromnacht von 1938 wurde das Gebäude von einem Lübener erworben und zum Mietshaus umgebaut.

Schulpromenade Nr. 9-11, am linken Rand die Synagoge Schulpromenade Nr. 9 Schulpromenade Nr. 9 Schulpromenade Nr. 9
Schulpromenade Haus Nr. 11 (Rösner-Geisler-Haus) und Nr. 9 vor und nach 1910. Bilder aus dem Nachlass von Gertrud Wurst, die von 1939-1942 dort mit ihrem Mann und Söhnchen Harald wohnte. Das Haus gehörte Luise Winter. Ihre Familie hat evtl. vor und nach dem Umbau die Fotos machen lassen. Wem helfen die wenigen Angaben, um weitere Personen zu identifizieren? Größere Abbildungen können auf Wunsch übermittelt werden.

Über das Haus Nr. 9 schrieb Elisabeth Arendt geb. Ludewig (1923-2011): "Im Haus von Brunnenbauer Winter wohnte die Familie Winter Parterre links. Die drei kleinen Mädchen auf der Bank sind übrigens meine Schwestern Margarete, Anneliese und ich ungefähr im Jahr 1926. Im Parterre rechts wohnte Familie Rudolph. Eine Treppe über Winters wohnte Familie Modler mit zwei Kindern. Herr Modler war Stellwerksmeister bei der Bahn. Bei Frau Winter hatte übrigens auch Marta Mrugalski (1885-1959) den Schneiderberuf gelernt. Sie hatte ein Handicap, weil sie als Kind schwer gefallen war. Aber sie war außerordentlich klug und belesen und eine 1A-Schneiderin. Mit meinen Schwestern gingen wir immer an die Fenster bei Frau Winter und bettelten um Schleifchen für unsere Zöpfe. Nach dem Krieg besuchte ich Marta Mrugalski mehrmals in Leipzig." (Ich kenne sie auch noch! Meine Großeltern besuchten sie mit uns Kindern, als sie schon bettlägerig war. Wir wohnten doch nahe bei Leipzig. Heidi R.) "In dem kleinen Giebelstübchen wohnte meine spätere Kollegin Ursula geb. Walter."
[Dann sind auf dem Foto neben den Hausbewohnern wahrscheinlich Frau Winters Schneider-Lehrmädchen zu sehen!]

Und dies schrieb Elisabeth Arendt über das Haus Nr. 11: "Das Haus Schulpromenade Nr. 11, in dem ich aufgewachsen bin, hatte einen großen Hof und Garten und - weil das Haus einst Eisenhändler Geisler gehörte, war am Hof noch ein Lager für Rohre und Eisenträger, eine Träger-Säge eingeschlossen. Der Eingang war von der Bahnhofstraße gegenüber der Gasanstalt aus. Meine beiden Schwestern und ich verlebten dort eine sehr glückliche Kindheit. Als Herr Geisler das Geschäft am Markt aufgab, tauschte er die Villa mit Rechtsanwalt Rösner, der bis dahin in der Bahnhofstraße gegenüber der Bahnhof-Apotheke gewohnt hatte. Seitdem wuchsen wir zusammen mit den Rösner-Kindern Marianne und Werner auf und ich lernte schließlich bei ihm meinen Beruf."